
Sommer 2025. Ich stehe an den imposanten weißen Kreidefelsen und atme die salzige Meerluft ein. Unter meinen Füßen knirschen große Steine, die sich mit jedem Schritt zu immer neuen Formationen zusammenschieben. Hinter mir kreischen die Möwen, die auf den schmalen Vorsprüngen der Klippen ihre Nester gebaut haben. Immer wieder entdecke ich kleine Wasserfälle zwischen den Felsen, die bis vor kurzem noch von Meerwasser bedeckt gewesen waren.
Ich gehe ein paar Schritte weiter in Richtung Meer und sehe mich um. Die Kinder sind schon lange vorgerannt und haben kleine Wasserstraßen im Sand gefunden, über die sich das Wasser nach und nach zurückzieht. Ihre Schuhe haben sie schon längst ausgezogen und die Zehen im noch feuchten Sand vergraben. Mit gezückten Schaufeln arbeiten sie an weiteren Wegen für das Wasser.
Bis auf ein paar wenige Touristen liegt der Strand verlassen vor mir. Ich stehe im Norden Frankreichs an der Opalküste direkt am Ärmelkanal. Hinter mir ragen die Felsen des Cap Blanc Nez auf und in der Ferne – irgendwo am anderen Ende des Meeres – leuchten die Kreidefelsen von Dover im Sonnenlicht. Es ist später Vormittag mitten in der Sommerurlaubs-Hauptsaison. Und trotzdem fehlt von den üblichen Touristenmassen jede Spur.
Genau deshalb ist unsere Woche an der Opalküste in Frankreich der Urlaub gewesen, der meine eigenen Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Und warum das so war, erzähle ich euch heute als Beitrag zur Blogparade „Welches Reiseziel hat dich positiv überrascht?“ von Anita.
Mit welchen Erwartungen wir hingereist sind
Die Sache mit den Erwartungen an einen Urlaub ist oft kompliziert. Sind sie hoch, ist die Wahrscheinlichkeit groß, enttäuscht zu werden. Genauso gut kann es aber auch so schön werden wie erhofft. Trotzdem bin ich keine Freundin davon, die eigenen Wünsche bewusst kleinzuhalten, nur um am Ende positiv überrascht zu werden. Dafür liebe ich die Vorfreude bei der Urlaubsplanung einfach zu sehr.
Aber die französische Küste am Ärmelkanal hat es ganz von allein geschafft, meine – zugegeben – nicht sehr hohen Erwartungen um Längen zu übertreffen.
Kennt ihr die Opalküste? Bestimmt habt ihr schon mal etwas vom Nord-Pas-de-Calais gehört, sei es weil ihr in Calais auf die Fähre nach England gestiegen seid oder weil euch als Fans französischer Komödien der Ch’ti-Dialekt aus dem Film „Willkommen bei den Sch’tis“ ein Begriff ist.
Für uns war unsere Woche dort ohnehin eher eine Art „Anhängsel“. Die Kinder wollten vor allem Paris sehen und das haben wir auch getan. Aber im Sommer gehören für uns ein paar Tage am Meer einfach mit dazu, also habe ich auf dem Liniennetzplan von Frankreich nach der kürzesten Route von Paris ans Meer gesucht. Es hätte auch die Bretagne werden können, die Normandie oder die Blumenküste. Warum am Ende die Opalküste, weiß ich rückblickend gar nicht mehr genau, aber es war eine besonders gute Entscheidung.

Das hat uns an der Opalküste überrascht
Wenn ich mir einen Strand in der Sommerferienzeit vorstelle, tauchen vor meinem inneren Auge Bilder von überfüllten Stränden auf, an denen die Menschen Decke an Decke liegen, jeder Zweite Musik über Lautsprecher hört und ein ständiges Stimmengewirr durch die Luft schwebt.
Das war an der Opalküste nicht der Fall. Wenn ich genauer darüber nachdenke, hatten wir auch in Dänemark im Vorjahr schon weite, kaum besuchte Küstenabschnitte. Dennoch ist die Küste Frankreichs bei mir stärker im Gedächtnis hängengeblieben. Vielleicht lag es daran, dass die Region vielseitiger war und sich die Strände durch die ausgeprägte Ebbe und Flut ständig mit einem anderen Gesicht zeigten, oder daran, dass wir manche Orte fast für uns allein hatten.
Je nach Stimmung konnten wir zwischen touristischeren Orten wie Wimereux, Wissant oder Calais und ruhigeren Stränden wie Escalles oder Châtelet wechseln. Bei den ersten gab es Restaurants, Eisdielen und in Calais einen fantastischen Spielplatz direkt am Strand, bei dem tagsüber sogar ein riesiger mechanischer Drache vorbeischaute.
Und die Regionen etwas abseits davon? Die waren weit, still, abenteuerlich und einfach durch und durch zum Genießen.
Würden wir wieder hinfahren?
Das ist eine schwierige Frage, denn ich versuche, so viel wie möglich von der Welt zu sehen und vermeide es nach Möglichkeit, einen Ort zweimal zu besuchen. Vielleicht kehren wir in vielen Jahren zurück, wenn wir ohne Kinder unterwegs sind. Die Stadt Calais scheint noch viele interessante Ecken zu bieten und auch sonst gibt es entlang der Küste schöne Wanderwege. Zwei davon konnte ich schon auf einem kurzen Stück ausprobieren: den Weg zum Cap Gris Nez und den zum Cap Blanc Nez. Aber ich schätze, damit habe ich bisher nur an der Oberfläche gekratzt.
Und wenn schon noch einmal an den gleichen Ort, dann aber zu einer anderen Jahreszeit. Wenn ich mir die Bilder im Internet so anschaue, ist die Landschaft vor allem im Frühling ein Meer aus saftigen grünen Wiesen und bunten Blumen.
Und: Beim nächsten Besuch werde ich auch einen Abstecher nach Boulogne-sur-Mer einplanen. Nicht nur zum Mietwagen abholen wie im Sommer 2025, sondern vor allem um mir die Basilika anzuschauen. Sie ist für ihre 101 Meter hohe Kuppel und eine der größten Krypten Frankreichs mit 1.400 m² historischen Wandmalereien bekannt.

Wem würden wir einen Urlaub an der Opalküste empfehlen?
Allen, die im Urlaub mehr wollen, als in einem All-Inklusive-Hotel am Pool zu liegen und sich in der Sonne brutzeln zu lassen. Wir waren als 4-köpfige Familie vor Ort und für jeden von uns war etwas dabei.
Geschichtsinteressierte kommen hier absolut auf ihre Kosten, besonders durch die dramatische Rolle der Region im Zweiten Weltkrieg. Entlang der Küste finden sich zahlreiche Relikte des Atlantikwalls, eindrucksvolle Museen und historische Städte, die von der Antike bis zur Neuzeit reichen.
Unsere kleine Pferdeliebhaberin hat sich über unseren Aufenthalt auf einem kleinen Pferdehof gefreut. Davon gibt es an der Küste so einige, da viele hier auch Urlaub mit ihren Vierbeinern machen. Die Strände eignen sich in der Nebensaison gut zum Ausreiten. Wir haben mit einer kleinen Ponytour im Hinterland beide Kinder glücklich gemacht.
Und ich habe die Stille genossen. Dazu kamen hohe Wellen, in denen wir baden konnten, und der Urlaub war rundum gelungen. Es fühlte sich stellenweise fast wie ein Geheimtipp an. Ich könnte mir vorstellen, dass viele hier durchreisen auf ihrem Weg nach England oder in Richtung Normandie (z. B. zum Mont-Saint-Michel). Wir können aber nur allen empfehlen, einen längeren Aufenthalt an der Opalküste als Familie einzuplanen. Es lohnt sich!
Wenn ihr mehr über unsere Woche an der Opalküste erfahren wollt, findet ihr den ausführlichen Reisebericht und eine Übersicht unserer Lieblingsstrände entlang der Küste hier auf dem Blog.
Und was ist mit euch? An welchem Ort sind eure Erwartungen das letzte Mal übertroffen worden? Ich bin gespannt, welches Reiseziel euch positiv überrascht hat – schreibt es gern in die Kommentare. 🙂
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Liebe Lisa
Vielen Dank für deinen Beitrag zu meiner Blogparade.
Wir waren vor rund 8 Jahren in Frankreich und sind in Boulogne-sur-Mer gestartet. 🙂 Die Opalküste kenne ich deshalb nicht, aber sie steht auch noch auf meiner Liste. 🙂
Liebe Grüsse
Anita
Dann wünsche ich dir ganz viel Spaß, wenn es soweit ist. 🙂
Liebe Grüße
Lisa