
Während unsere Kinder ein Wochenende bei Oma und Opa verbrachten, schnürte ich gemeinsam mit einem guten Freund die Wanderschuhe. So sehr ich unsere Familienausflüge liebe, haben Wanderungen nur unter Erwachsenen ihren ganz eigenen Reiz. Niemand drängelt zum nächsten Aussichtspunkt, niemand entdeckt unterwegs alle drei Meter einen besonders interessanten Stock und auch die Pausen fühlen sich anders an. Denn es bleibt viel Zeit für Gespräche, für Gedanken, die man zu Ende denken kann und dafür, die Landschaft einfach auf sich wirken zu lassen.
Unser Ziel an diesem sonnigen Samstag lag direkt hinter der deutsch-tschechischen Grenze: das Prebischtor.
Die Wanderung zum Prebischtor stand schon seit Jahren auf meiner persönlichen Liste. Umso größer war die Vorfreude, diesen besonderen Ort endlich selbst zu besuchen und herauszufinden, ob er den vielen Bildern und Erzählungen tatsächlich gerecht wird.
Und auch wenn mich die Wanderung selbst nicht auf ganzer Strecke überzeugen konnte, steht für mich am Ende fest: Das Prebischtor ist definitiv einen Besuch wert.
Was ist das Prebischtor?
Das Prebischtor (tschechisch: Pravčická brána) ist das größte natürliche Sandstein-Felsentor Europas. Mit einer Spannweite von rund 26 Metern und einer Höhe von etwa 16 Metern gehört es zu den beeindruckendsten Naturwundern der gesamten Region. Kein Wunder also, dass das Wahrzeichen der Böhmischen Schweiz seit Generationen Besucher aus aller Welt anzieht.
Vielleicht kommt euch die Landschaft sogar bekannt vor. Das Prebischtor diente bereits als Filmkulisse und war unter anderem in „Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia“ zu sehen. Aber noch bevor Hollywood den Ort für sich entdeckte, zog die markante Felsformation Künstler und Schriftsteller an. Bereits 1808 wanderte der Maler Caspar David Friedrich durch die Böhmische Schweiz und fertigte Skizzen des Prebischtors an. Auch Hans Christian Andersen besuchte die Gegend und soll von der Aussicht beeindruckt gewesen sein.

Doch die Landschaft rund um das Wahrzeichen erzählt inzwischen auch eine andere Geschichte. Im Sommer 2022 wütete in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz einer der größten Waldbrände der jüngeren Geschichte. Über Wochen kämpften Einsatzkräfte gegen die Flammen, die weite Teile der Wälder zerstörten. Auch rund um das Prebischtor hinterließ das Feuer deutliche Spuren.
Wer also heute dorthin wandert, begegnet zwei Gesichtern der Böhmischen Schweiz: einerseits einer einzigartigen Felsenlandschaft, die seit Jahrhunderten Menschen begeistert. Und andererseits einer Natur, die sich nach der Katastrophe von 2022 langsam wieder erholt.

Anreise zum Prebischtor
Wie so oft gibt es zwei Möglichkeiten: Auto oder Bahn.
Ich empfehle euch ganz klar die Anreise mit der Bahn. Die S1 fährt von Dresden aus stündlich bis nach Schöna.
Von dort habt ihr zwei Möglichkeiten:
- In Schöna aussteigen und direkt mit der Fähre nach Hřensko übersetzen. Die Fähre ist im Deutschlandticket beziehungsweise in vielen Tageskarten bereits enthalten.
- Alternativ könnt ihr bereits in Schmilka aussteigen, ebenfalls die Fähre nutzen und von dort aus über verschiedene Wanderwege Richtung Prebischtor starten.
Wer lieber mit dem Auto anreisen möchte, findet entlang der Elbe in Hřensko mehrere Parkmöglichkeiten. Einige davon sind kostenlos. Je näher ihr allerdings an den Ausgangspunkt der Wanderung heranfahrt, desto wahrscheinlicher werden Parkgebühren. Für die oberen Parkplätze solltet ihr aktuell etwa 8 Euro für ein Tagesticket einplanen.


Die Wanderung zum Prebischtor auf einen Blick
- Startpunkt: Bahnhof Schöna
- Strecke: Mit der Fähre nach Hřensko, dann über den Wanderweg zum Prebischtor und den gleichen Weg wieder zurück
- Gesamtlänge: ca. 9 Kilometer
- Dauer: etwa 4 Stunden inklusive Mittagspause
- Schwierigkeit: Im Vergleich zu anderen Wegen im Elbsandsteingebirge eher leicht – was nicht heißt, dass es kein bisschen anstrengend ist
- Highlights: Fantastische Aussichtspunkte, leckere tschechische Küche, einzigartige Landschaft
- Kinderfreundlich? Nur bedingt. Das letzte Drittel des Weges auf jeden Fall. Davor ist der Weg leider ziemlich eintönig.
- Wichtige Info: Der beliebte Gabrielensteig Richtung Mezní Louka bleibt noch bis mindestens Mitte 2027 gesperrt.

Unser Weg zum Prebischtor
Im Vergleich zu vielen anderen Wanderungen, die wir bisher in der Sächsischen Schweiz unternommen haben, hatte ich mit dieser Tour zunächst etwas zu kämpfen.
Das erste Drittel führt entlang der Straße auf einem schmalen Gehweg. Zunächst geht es noch durch den Ort Hřensko, vorbei an charmanten alten Häusern, aber auch an Minimarktständen, wo von Bekleidung bis Zigaretten fast alles angeboten wird. Je weiter man den Ort hinter sich lässt, desto weniger spannend wird es allerdings. Die Straße bleibt, der Verkehr ebenfalls. Besonders die zahlreichen Motorräder sorgten an diesem sonnigen Wochenende nicht gerade für Naturgefühl.
Irgendwann zweigt der Wanderweg endlich von der Straße ab. Ruhiger wurde es dadurch sofort. Schöner zunächst allerdings nicht.



Wir liefen über Steine durch eine karge, offene Landschaft, und die Sonne schien unerbittlich auf uns herunter. Erst als ich später alte Fotos der Gegend betrachtete, wurde mir klar, warum mich dieser Abschnitt so irritiert hatte: Früher verlief der Weg durch dichten Wald. Heute stehen dort vielerorts nur noch die Überreste dessen, was der Waldbrand von 2022 zurückgelassen hat. Die Natur erobert sich das Gebiet Stück für Stück zurück, doch die Wunden sind weiterhin sichtbar.
Mit jedem Höhenmeter wurde die Landschaft schließlich interessanter. Der Weg gewann an Charakter, die ersten Felswände spendeten Schatten und ein angenehm kühler Wind ersetzte die aufgeheizte Luft des Tales. Und plötzlich war sie da – diese besondere Atmosphäre, für die ich das Elbsandsteingebirge so sehr liebe. Die Aussicht öffnete sich immer wieder in die Landschaft und ich fragte mich unweigerlich, ob wir diese Blicke früher zwischen all den Bäumen überhaupt gehabt hätten.
Und schließlich tauchte das Prebischtor vor uns auf. Wir (und viele andere Personen) hatten unser Ziel erreicht. In diesem Moment wusste ich: Der Weg hat sich gelohnt.





Ankommen am Wahrzeichen der Böhmischen Schweiz
Das Gelände rund um das Prebischtor ist kostenpflichtig zugänglich. Erwachsene zahlen aktuell rund 5 Euro Eintritt. Kinder erhalten ermäßigte Tickets. Bezahlen könnt ihr sowohl bar als auch bequem mit Karte. Geöffnet ist das Prebischtor zwischen April und Oktober von 10 Uhr bis 18 Uhr. In den Wintermonaten beschränkt sich diese Zeit aufs Wochenende und bis 16 Uhr.
Hinter dem Eingang erwartet Besucher deutlich mehr als nur das berühmte Felsentor, denn auf dem Gelände befinden sich mehrere Einrichtungen:
- eine kleine Touristeninformation
- ein Kiosk mit Getränken und Snacks
- das historische Ausflugslokal Falkennest
- mehrere Aussichtspunkte rund um das Felsentor
Besonders positiv überrascht hat mich das Restaurant. Die tschechische Küche war hervorragend, die Portionen großzügig und die Preise mit etwa 10 bis 13 Euro für ein Hauptgericht absolut fair.

Das eigentliche Highlight sind jedoch die verschiedenen Aussichtspunkte rund um das Prebischtor. Über kurze Wege und einige Treppen gelangt man immer wieder zu kleinen Plattformen zwischen den Felsen. Von dort reicht der Blick weit über die bewaldeten Täler und Sandsteinformationen der Böhmischen und Sächsischen Schweiz.
Besonders beeindruckend fand ich dabei den Kontrast der Landschaft. Während sich in der Ferne endlose grüne Wälder über die Hügel ziehen, sind die Folgen des Waldbrandes von 2022 an vielen Stellen noch deutlich sichtbar. Verbrannte Baumstämme stehen zwischen jungem Grün, das sich seinen Platz langsam zurückerobert.
An einigen Stellen solltet ihr allerdings schwindelfrei sein. Die Aussichtspunkte sind zwar gesichert, doch die Felsen fallen teilweise steil in die Tiefe ab. Wer Höhen nicht besonders mag, wird sich vermutlich nicht bis an jede Geländerkante vorwagen. Die spektakulären Ausblicke entschädigen dafür jedoch allemal.





Unsere Tipps für Familien
- Früh starten lohnt sich. Vor allem an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien kann es bei schönem Wetter voll werden. Touristisch ist hier schon ordentlich was los.
- Ein Picknick einpacken. Unsere Kinder lieben Picknicks in der Natur. Und ehrlich gesagt gibt es kaum schönere Orte dafür als einen Felsen mit Aussicht.
- Oder tschechisch essen gehen. Die Gastronomie vor Ort hat uns positiv überrascht und ist eine echte Alternative zur Brotdose. Absolut lecker!
- Kindertrage statt Kinderwagen. Der Weg hat nicht viele Treppen, ist aber insgesamt sehr uneben. Mit kleinen Kindern ist eine Trage die deutlich bessere Wahl.
- Nutzt die S-Bahn. Ihr seid flexibel, habt die Fährfahrt als kleines Erlebnis dabei und spart euch die Parkplatzsuche.
- Die Tour funktioniert zu jeder Jahreszeit. Die Wanderung zum Prebischtor lässt sich wunderbar zu jeder Jahreszeit einplanen. Bei Nässe kann es allerdings oben an den Aussichtspunkten rutschig werden – auch wenn alle gesichert sind. An schlechten Wettertagen habt ihr dafür wahrscheinlich die Anlage fast für euch allein.
- Zum Abschluss ein Eis oder Kuchen. Oder zumindest eine Flasche Wasser, falls ihr zu wenig dabei hattet. In Hřensko oder spätestens an der Fährstelle nach Schöna findet ihr alles, was ihr braucht.

Fazit: Lohnt sich die Wanderung zum Prebischtor?
Ja, definitiv. Allerdings solltet ihr wissen, worauf ihr euch einlasst.
Anders als viele Wanderungen in der Sächsischen Schweiz lebt diese Tour für mich weniger vom Weg als vom Ziel. Gerade die ersten Kilometer entlang der Straße und durch die vom Waldbrand geprägte Landschaft konnten mich nicht vollständig überzeugen. Wer verwunschene Waldpfade, spannende Felspassagen und ein Abenteuer hinter jeder Kurve sucht, wird beispielsweise bei den Schrammsteinen oder am Rauenstein glücklicher werden.
Trotzdem würde ich die Wanderung jederzeit weiterempfehlen. Denn spätestens im letzten Drittel wird die Landschaft immer beeindruckender und mit dem Prebischtor wartet am Ende ein Naturwunder, das seinen Ruf vollkommen verdient hat. Dazu kommen die Aussichtspunkte, die weiten Blicke über die Böhmische Schweiz und die Möglichkeit, den Ausflug mit einem guten Essen im Falkennest abzurunden.
Für Familien würde ich die Tour vor allem dann empfehlen, wenn eure Kinder bereits gern wandern und auch längere, weniger abwechslungsreiche Wegabschnitte durchhalten. Das eigentliche Highlight wartet schließlich erst am Ende des Aufstiegs. Wer allerdings nach einem durchgehend spannenden Abenteuerweg sucht, wird bei den Schrammsteinen, am Lilienstein oder am Rauenstein vermutlich glücklicher.
Das Prebischtor bleibt trotzdem ein Ort, den man mindestens einmal gesehen haben sollte. Schon allein, weil es in Europa nichts Vergleichbares gibt.
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Ich habe Narnia zwar nie geschaut (ich hab’s nicht so mit Fantasy), aber deine Fotos erklären, warum viele Künstler und Hollywood diese Gegend lieben! Die hat schon was märchenhaftes! Nur schade, dass der Waldbrand vor ein paar Jahren soviel zerstört hat! Ich liebe Bäume und trauere immer schon, wenn hier in meiner Gegnd mal einer gefällt wird oder umstürzt! Aber all die Bäume da! Ein Jammer!
Trotzdem Danke für den imposanten Blick auf das Prebischtor, von dem ich noch nie gehört hatte! Ich sag’s ja, Ihr habt so viele schöne Flecken „vor Eurer Haustür“!
Liebe Grüße
Jana
Und ich sage dir gern immer wieder – du darfst dich herzlich eingeladen fühlen vorbeizukommen 🙂
Gerade die Wanderung zum Prebischtor ist (bis auf die Aussichtspunkte ganz oben) leitfrei und damit auch für Elfie geeignet.
Liebe Grüße, Lisa