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Wanderung nach La Trapa – das schönste Mallorca-Abenteuer, das wir nie geplant hatten

Wanderung nach La Trapa - das schönste Mallorca-Abenteuer, das wir nie geplant hatten - Kloster mit Blick auf Sa Dragonera

Ich habe lange Zeit hin und herüberlegt, ob ich einen Artikel zu unserer Wanderung nach La Trapa im Osterurlaub auf Mallorca schreibe. Nachdem ich online bereits eine wunderbare Beschreibung derselben Route gefunden hatte (die wir auch nachgewandert sind), war meine erste Antwort klar: nein. Wozu ein weiterer Artikel, der dasselbe erzählt? Während der Wanderung selbst schrie dann alles in mir laut ja, nur um am Ende des Urlaubs wieder bei der Überzeugung zu landen, dass ein identischer Artikel weder mir noch euch irgendetwas bringt.

Als ich dann aber meinen Hauptartikel zur Reise nach Mallorca im April schrieb und dieser wundervolle Tag auf sechs sachliche Zeilen zusammenschmolz, blutete mir das Herz. So viele Erinnerungen, eingedampft auf das Wesentliche. Gleichzeitig hatte ich bei Instagram einen Karussellpost zur Wanderung erstellt, der weniger informativ und dafür erzählend war. Und abends spürte ich, dass da noch ganz viele Worte in mir stecken, die raus wollen. Kleine Momente innerhalb des Großen, die ich auf keinen Fall vergessen möchte.

Deshalb sei vorab gesagt: Wenn ihr einen praktischen Guide zum Nachwandern sucht – mit Einstiegspunkt, Streckenbeschreibung und allen nützlichen Infos – dann schaut am besten direkt hier vorbei. Wenn ihr aber Lust habt, für einen kurzen Moment dem Alltag zu entfliehen und unsere Wanderung mit mir nachzuerleben, dann seid ihr herzlich eingeladen, meiner kleinen Reisegeschichte zu folgen.



Ein freier Tag, der keiner bleiben wollte

Es war sechs Uhr morgens, die Sonne hatte noch nicht beschlossen aufzugehen, und ich saß auf dem Hochsitz eines Rettungsschwimmers am menschenleeren Strand. Neben mir mein Sohn, der genauso wenig hatte schlafen können wie ich. Vor uns lagen die blinkenden Lichter der Schiffsmasten am Horizont, ein schwarzes Meer und eine friedliche Stille, die sich über all das legte. Hinter uns würde die Sonne in weniger als einer Stunde den Himmel über den Bergen in ein strahlendes Schauspiel aus Rot- und Orangetönen verwandeln. Dass dieser Tag noch unvergesslich werden wüde, hätte ich in diesem Moment nicht gedacht.

Diesem Morgen habe ich übrigens auch eine eigene Geschichte gewidmet. Hier könnt ihr sie lesen.

Der Plan war eigentlich ganz einfach. Irgendwo auf der Insel das ruhigste verfügbare Plätzchen finden, mich dort in den Schatten zu setzen und einfach ein Buch lesen während mir die salzige Meerluft um die Nase weht. Die Kinder würden den Tag mit ihren Großeltern im Aquarium von Palma verbringen. Das ist zwar insgesamt sehr schön, begeistert mich aber nicht über die Maße, dass ein dritter Besuch für uns Eltern nötig gewesen wäre. Also waren es nur mein Mann, ich und einer freier Tag auf Mallorca.

Wanderung nach La Trapa - das schönste Mallorca-Abenteuer, das wir nie geplant hatten - Aussicht aufs Mittelmeer in der Serra de Tramuntana
Mit so einer Traum-Aussicht hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gerechnet.

Was mich dazu brachte, nach dem Frühstück dann doch den Laptop aufzuklappen, weiß ich nicht mehr genau. Wahrscheinlich der Wunsch, den perfekten Ort ohne großes Suchen serviert zu bekommen. Dass es am Ende kein abgeschiedener Platz in Einsamkeit wurde, sondern eine wundervolle Wanderung durch die Serra de Tramuntana verdanke ich am Ende Google. Oder meiner eingegebenen Suche in Kombination mit Schicksal. Vielleicht auch einfach irgendwas dazwischen.

„Ich habe da eine Wanderung gefunden“, sagte ich ein paar Minuten später zu meinem Mann. Für mich war klar: das wird es. Den Mietwagen haben wir zum Glück kurzfristig am Abend zuvor organisiert bekommen und mussten ihn nur noch auf dem Hotelparkplatz abholen.

Er schaute mich skeptisch an. Nicht zu lang sollte die Wanderung sein und nicht zu schwierig, schließlich hatten wir keine Wanderschuhe dabei. Während er noch Länge und Höhenmeter abwog, hatte ich schon längst den Rucksack vollgepackt mit allen Dingen, die mir wichtig vorkamen. Viel Wasser, Sonnencreme, noch mehr Wasser. Das April-Wetter auf Mallorca war in unserer Woche ausgesprochen warm und die Temperaturen sollten auch an diesem Tag wieder auf über 20°C klettern.

Unser Auto – ein Fiat Panda – war für unsere Zwecke absolut ausreichend, geriet jedoch an den steilen Straßen in den Bergen doch schnell an seine Grenzen. Das letzte Stück Straße zum Einstiegspunkt als Straße zu bezeichnen wäre etwas zu viel des Guten gewesen. Es war eher eine Philosophie der Fortbewegung: loser Schotter, vereinzelte Steine und die Frage, was der Unterboden des kleinen Autos eigentlich aushält. Genau in diesem Moment – als das Auto bockte und die Reifen schlingerten – verwandelte sich mein Mann vom Skeptiker zum begeisterten Rallye-Weltmeister. Eine holprige Schotterpiste mit einem Miniwagen bezwingen? Absolutes Highlight. Bis wir schließlich eine Ausbuchtung am Wegesrand fanden, die wir Parkplatz nannten und in unser Abenteuer starteten.

Wanderung nach La Trapa - das schönste Mallorca-Abenteuer, das wir nie geplant hatten - Mit dem Mietwagen zum Einstiegspunkt

Der Weg führte sofort so steil nach oben, dass es uns so vorkam, als würden wir alle geplanten Höhenmeter direkt auf einem Schlag überwinden müssen. Serpentinen schlängelten sich durch den Wald nach oben und meine Lunge erinnerte mich freundlich daran, dass wir die letzten Tage mit zu viel Essen und zu wenig Sport verbracht hatten.

Wir machten mehrere kurze Verschnaufpausen und beobachteten Menschen, die denselben Aufstieg joggend und scheinbar mühelos absolvierten. Ich hatte schon von Trailrunning gehört, aber das live zu erleben ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. Trost fand ich in einer lautstarken spanischen Wandergruppe weiter unten, die auf dem Weg nach oben immer leiser wurde. Wie immer kommt es auch hier auf die richtige Perspektive und den passenden Vergleich an.

Dann lichtete sich der Wald und mit einem Mal lag das Meer vor uns. Tiefblau und leicht türkis an den Rändern, wo das Wasser auf die felsigen Klippen der Serra de Tramuntana trifft. Die Küste zog sich nach beiden Seiten und am Horizont zeichnete sich eine Silhouette ab, die wir später als die Insel Sa Dragonera erkennen würden. Dieser Anblick sollte uns bis zum Abstieg noch eine ganze Weile begleiten und sich immer wieder aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln präsentieren.

Für Mallorca-Verhältnisse war es fast schon gespenstisch leer. Wir hatten den Berg, das Rauschen des Windes und die Aussicht weitgehend für uns.

Der letzte Abschnitt des Aufstiegs hielt noch eine Überraschung bereit: kein Weg mehr, nur Felsen. Im Gestein verankerte Metallketten halfen beim Klettern und wir hielten kurz inne, um zu beobachten, wie sich andere anstellten. Einer deutschen Familie ging es ähnlich und so beobachteten wir gemeinsam eine Gruppe von Mamas, die mit Backpackerrucksäcken auf dem Rücken und ihren Babys in der Trage auf dem Bauch diese Felswand mit einer Selbstverständlichkeit hinaufkletterten, die jede Ausrede wegfegte. Na gut. Los geht’s.

Irgendwo zwischen den Felsen, wo der Weg sich aufzulösen schien und es nur noch ein Weiter gab, hörten wir es zum ersten Mal: Ziegengeblöke. Das würde uns auf der Wanderung noch begleiten. Kurz darauf standen wir auf dem Klostergelände von La Trapa.

Das ehemalige Trappistenkloster liegt auf einem Hochplateau mit Blick auf das Meer. Einfache Wirtschaftsgebäude und eine kleine Kapelle sind umgeben von auf Terrassen angelegten Felder, die einst beackert wurden, wo der karge Boden es zuließ. Heute wird La Trapa ehrenamtlich von der mallorquinischen Umweltorganisation GOB betreut. Der Eintritt kostet einen Euro pro Person auf Vertrauensbasis. Wir warfen unsere Münzen in die Kiste und schauten uns um.

Wir setzten uns in die alte Mühle, stärkten uns mit den mitgebrachten Snacks und ließen den Blick über Sa Dragonera schweifen, die uns schon fast einlud, ihr beim nächste Urlaub auf Mallorca einen Besuch abzustatten. Sie ist autofrei, hat mehrere Wanderwege und beherbergt eine Vielzahl endemischer Tier- und Pflanzenarten – das würde auf jeden Fall ein neues Abenteuer werden. Ansonsten war um uns herum fast nichts. Also am Ende doch irgendwie genau das, was ich von Anfang an gesucht hatte.

Dann zeigte mir mein Mann etwas durch das Fernglas, womit ich nicht gerechnet hatte: das spanische Festland. Nur ein Schimmer hinter einem leichten Dunst über dem Mittelmeer. Was durch die Erdkrümmung und die Luftlinienentfernung eigentlich unmöglich sein müsste, funktioniert nur, weil sich die östlichen Gipfel des iberischen Gebirges weit genug erheben. Wir reichten das Fernglas hin und her und sagten eine Weile nichts.

Der Abstieg war kein Spaziergang. Die Serpentinenpiste nach unten bestand aus demselben losen Geröll wie der Weg herauf. Nur dass jetzt die Knie die Arbeit machten, die vorher die Lunge übernommen hatte und die Sonne inzwischen hoch über uns stand. Ziegen begleiteten uns entlang der Felshänge und irgendwo aus einem versteckten Teich drang laut das Quaken von Fröschen. Als endlich der Fiat Panda unversehrt und mit einer leichten Staubschicht bepudert zwischen den Büschen auftauchte, war ich ehrlich erleichtert.

Wanderung nach La Trapa - das schönste Mallorca-Abenteuer, das wir nie geplant hatten - Blick von Mallorca auf das spanische Festland

Wanderung nach La Trapa - das schönste Mallorca-Abenteuer, das wir nie geplant hatten - Abstieg über die "Straße" zurück zum Auto
Abstieg über die „Straße“. Manche liefen die Runde genau anders herum, aber uns hat der Aufstieg im Wald sehr gut gefallen.

Die Kinder hatten ihren eigenen langen Tag hinter sich, das merkten wir sofort, als sie zu Hause ankamen. Oder besser gesagt später am Abend, denn als erstes wollten beide so schnell wie möglich in den Pool. Als sie im Bett lagen und ihnen die Augen längst zufielen, erzählten sie glücklich von Haien, Rochen und fehlenden Schildkröten. Als sie schon längst schliefen, dachte auch ich noch eine Weile über diesen Tag nach.

An den Hochsitz um sechs Uhr, die Schiffslichter in der Ferne und die Stille, die alles begleitete. An die Suche am Laptop und die Wanderung, die daraus wurde. An die Serpentinen, die Ketten im Fels, das Meer, das plötzlich da war und das Festland, das eigentlich nicht zu sehen sein sollte.

Am Ende war es einer dieser Tage geworden, die ich nicht vergessen werde. Deren Erinnerung sich ins Gedächtnis einbrennt, wie das erste warme Licht der Morgensonne auf der Haut. Und das alles, weil ich einfach den Laptop aufgeklappt und irgendetwas gegoogelt hatte. Manchmal hält das Leben Überraschungen für uns bereit, genau dann, wenn wir gar nicht mit ihnen rechnen. Ich glaube, man muss nur bereit sein, ihnen zu folgen.

Was war bei euch zuletzt so ein Moment, in dem ihr dachtet: „Gut, dass wir es einfach gemacht haben“? Gab es da auch so eine Entscheidung, die sich im ersten Moment überhaupt nicht besonders angefühlt hat und im Nachhinein zu einer der schönsten Erinnerungen geworden ist? Verratet es mir gern in den Kommentaren.

PS: Einen viel viel viel touristischeren Ausflug haben wir auch gemacht, als wir mit der historischen Eisenbahn von Palma durch die Serra de Tramuntana nach Sóller gefahren sind. Alle unsere Erfahrungen könnt ihr hier nachlesen: Ausflug mit Kindern im Tren de Sóller.

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9 Kommentare zu „Wanderung nach La Trapa – das schönste Mallorca-Abenteuer, das wir nie geplant hatten“

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  4. Liebe Lisa,

    wow, mega, dass ihr diese Wanderung trotz aller Zweifel einfach gemacht habt. Es hat sich für euch ja total gelohnt, das freut mich richtig. Vor allem, dass du den geplanten Lesetag „geopfert“ hast. Aber sonst hättest du
    gar nicht den Moment erlebt, in dem sich der Wald lichtet und das Meer plötzlich vor euch liegt. Das stelle ich mir total toll vor. Das würde mir auch gefallen.
    Wenn ich in spontane Abenteuer stolpere, dann fallen sie immer in die Kategorie „so etwas kann wirklich nur uns passieren“. Zum Glück kommt dann aber meistens doch noch was Gutes dabei rum.

    Liebe Grüße
    Mo

    1. Ja, ungefähr das waren unsere Gedanken, als wir plötzlich vor der Passage zum Klettern standen. 😉
      Den Lesetag habe ich übrigens nachgeholt. Das Buch war dann doch zu spannend, um es lange liegen zu lassen.

      Liebe Grüße,
      Lisa

  5. Manchmal sind genau solche ungeplanten Aktivitiäten, die allerbesten und die, die am längsten in Erinnerung bleiben! Als ich vor einigen Jahren mit meiner Tochter (und einer Reisegruppe) in Österreich unterwegs war, meinte die Reiseleitung durchs Mikrofon, dass wir jetzt eine Stunde Halt in Dürnstein machen! Wer mag, könne ja zur Burg hinauflaufen! Dass das ein Spaß war, hatten wir zwar verstanden, aber auf ging’s! Wir hatten 30 Minuten für den Hin- und 30 Minuten für den Rückweg, hatten aber im vorher verschlafenen Zustand nicht so richtig mitbekommen, dass es einen leichten und einen schwierigen Aufstieg gab! Und rate mal, welchen wir hoch sind! Trotzdem, das war das schönste Erlebnis im ganzen Urlaub!

    Und ich spüre richtig, dass es Euch da ähnlich geht! Fernab von all den Touristen, weit oben mit Blick Richtung Spanien! Dann dieses alte Trappistenkloster! Das wäre ja auch genau mein Ding gewesen! Ich finde auch, dass man seiner Eingebung einfach mal folgen sollte! Manchmal kommen richtig schöne Erlebnisse dabei heraus!

    Liebe Grüße
    Jana

    1. Ja, solche Erinnerungen bleiben einfach hängen.
      Mit Kindern wäre ich vermutlich nie im Leben hoch, aber 1h am Bus rumsitzen ist auch langweilig.
      Von daher habt ihr damals alles richtig gemacht. Naja, bis auf die Wegauswahl vielleicht. 😉

      Liebe Grüße, Lisa

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