
Drei Tage bevor die Sonnenfinsternis über die Halbinsel Snæfellsnes zog, stand unser Camper in Grundarfjörður. Rundherum hatten die Campingplätze ihre Preise für diese eine Nacht auf bis zu 150 Euro angehoben, kein Wunder bei dem Andrang, den ein solches Ereignis mit sich bringt. Unser Platz gehörte zu den wenigen in der Region, die die Campingcard akzeptierten. Damit zahlten wir für diese drei Nächte nichts mehr extra.
Allein dafür hat sich die Investition vorab gelohnt. Aber eine Sonnenfinsternis zieht nicht jedes Jahr über die Insel. Zeit also, sich die Campingcard in Island auch für den ganz normalen Familienurlaub anzuschauen.
Was die Karte genau bietet und wo ihre Grenzen liegen, zeige ich euch anhand unserer eigenen Route durch den Süden und Westen der Insel. Wie der Roadtrip mit dem Campervan durch Island für uns als Familie insgesamt war, erzähle ich an anderer Stelle.
Was ist die Campingcard?
Die Campingcard ist eine Art Prepaid-Karte für isländische Campingplätze. Man zahlt einmal im Voraus und bekommt dafür eine feste Anzahl an Übernachtungen, die man bei den teilnehmenden Plätzen im ganzen Land einlösen kann. 2026 kostete die Karte 179 Euro und deckte bis zu 28 Nächte ab, gültig für eine Familie mit zwei Erwachsenen und bis zu vier Kindern unter 16 Jahren. Über die Insel verteilt, könnt ihr zwischen 30 Plätzen auswählen, allerdings ist die Verteilung nicht überall gleich dicht. Gerade an der Südküste zwischen Vík und Höfn ist die Auswahl eher dünn, was bei der Routenplanung eine Rolle spielt.
Wichtig zu wissen: Die Karte deckt nur den reinen Stellplatz ab. Strom, Duschen und Waschmaschine kosten fast überall extra, genauso die isländische Übernachtungssteuer von 400 ISK pro Nacht. An jedem Campingplatz zeigt man die Karte zusammen mit dem Ausweis vor, das Personal streicht dann eine Nacht vom Guthaben ab.

Hat sich die Campingcard in Island für uns gelohnt?
Um zu wissen, ob sich die Campingcard in Island für uns gelohnt hat, müssen wir einen Blick auf die Campingplätze entlang unserer Route werfen. Die Preise habe ich jeweils für uns 4 Personen inkl. Steuern angegeben, damit es vergleichbar bleibt – aber ohne Strom, Waschmaschine, Duschen usw.
Tatsächlich gibt es bei den Nebenkosten große Unterschiede zwischen den Campingplätzen. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Artikel. 🙂
Der Preis für den Campingplatz in Reykjavik ist verhältnismäßig hoch, da wir einen Stellplatz mit Strom buchen mussten. Alle anderen waren schon belegt. Und Campingplatz Faxi liegt übrigens direkt am Faxafoss, einem von vielen Wasserfällen in Südisland, die wir mit den Kindern besucht haben.
| Anzahl Nächte insgesamt | In der Campingcard enthalten? | Kosten ohne Karte (inkl. Steuern) /Nacht | Kosten mit Karte (inkl. Steuern) / Nacht | |
| Airport Campsite Sandgerði | 2 | ja | 4.800 ISK | 700 ISK |
| Þorlákshöfn | 1 | ja | 4.800 ISK | 400 ISK |
| Stokkseyri | 3 | Ja | 4.800 ISK | 400 ISK |
| Faxi | 1 | Ja | 5.800 ISK | 400 ISK |
| Vik | 1 | Nein | 4.000 ISK | – |
| Kleifar | 2 | ja | 2.400 ISK | 400 ISK |
| Svinafelli | 1 | Nein | 5.000 ISK | – |
| Vestmannaeyjar | 1 | Nein | 6.000 ISK | – |
| Reykjavik Eco Campsite | 2 | Nein | 9.265 ISK | – |
| Grundarfjörður | 3 | ja | 4.000 ISK | 400 ISK |
| 84.930 ISK | 37.330 ISK |
Wir haben durch die Campingcard unterwegs 47.600 ISK weniger gezahlt – das entspricht nach heutigem Wechselkurs etwa 340€. Davon müssen wir natürlich noch die Investition für die Campingcard selbst abziehen (179€). Insgesamt haben wir also ca. 161€ und einiges an Zeit für Planung gespart. Für uns hat sich die Investition in die Campingcard also durchaus gelohnt.

Was die Campingcard unabhängig vom Preis für Vorteile hat
Island hat insgesamt über 200 offiziell registrierte Campingplätze. Wie aufwändig wäre es gewesen sich alle davon im Vorfeld anzuschauen und eine Vorauswahl zu treffen? Ich zumindest wäre als Planungsmensch relativ überfordert gewesen und hätte sicher Stunden in die Recherche gesteckt.
Stattdessen haben mir die in der Campingcard enthaltenen Plätze eine grobe Struktur vorgegeben. Da ich ungefähr wusste, wie viel Strecke wir maximal am Tag zurücklegen wollen – und das ist meiner Meinung nach mit Kindern eher weniger als mehr – habe ich mir alle Campingplätze, die die Campingcard akzeptieren markiert. Im Süden von Island sind das tatsächlich relativ viele.
Auf Google Maps waren dann ganz deutlich Lücken zu erkennen, wo die Fahrt zu lang geworden wäre. Dann musste ich nur noch gezielt in diesen Lücken nach Campingplätzen für uns suchen – und fertig.
Denn ja, die Campingcard schränkt uns als Reisende in gewisser Weise ein, aber ich persönlich fand diese Einschränkung sehr hilfreich. Somit musste ich mich nicht mehr zwischen einer langen Liste an Campingplätzen entscheiden, sondern nur noch zwischen einer Handvoll, die in die jeweilige Lücke passten.

Wem wir die Campingcard in Island empfehlen würden
Für Familien mit zwei oder mehr Kindern lohnt sich die Campingcard aus unserer Erfahrung auf jeden Fall, sobald man mehr als eine Woche unterwegs ist. Die Karte kostet 179 Euro für 28 Nächte, egal ob eine Person oder eine sechsköpfige Familie campt. Bei uns zu viert hat sich diese Investition über die Ersparnis pro Nacht mehrfach ausgezahlt.
Als grober Anhaltspunkt: Bei zwei Erwachsenen ohne Kinder rechnet sie sich meist ab sieben bis zehn Camping-Nächten. Reist ihr allein, zu zweit oder nur wenige Tage, lohnt sich eine genaue Rechnung vorab. Dann kann es günstiger sein, die Plätze einzeln zu bezahlen. Voraussetzung dafür ist natürlich immer, auch die Campingplätze anzufahren, die in der Campingcard enthalten sind. 😉
Am Ende bleibt die Karte eine Frage der Logistik – gut zu wissen, aber nicht das, weswegen man sich an eine Reise erinnert. Was uns aus diesen 18 Tagen wirklich in Erinnerung geblieben ist, steht in unseren schönsten Lieblingsmomenten aus Island mit Kindern.
- Was kostet die Campingcard?
2026 kostet die Karte 179 Euro pro Einheit. Das gilt unabhängig davon, ob eine Einzelperson oder eine Familie mit bis zu vier Kindern damit unterwegs ist. - Wie lange und ab wann ist die Campingcard gültig?
Die Campingcard gilt ab dem Kauf bis zum 15. September 2026 und ermöglicht insgesamt bis zu 28 Übernachtungen. Die teilnehmenden Campingplätze können allerdings früher schließen. - Wo kann man die Campingcard kaufen?
Ihr könnt sie vorab online bestellen, entweder als digitale Version per E-Mail oder als physische Karte per Post. In Island selbst bekommt ihr sie außerdem an Olís-Tankstellen, auf vielen Campingplätzen und in Informationszentren. - Gilt die Campingcard pro Person oder pro Fahrzeug?
Die Campingcard gilt pro Einheit, also beispielsweise für ein Zelt, einen Camper oder ein Wohnmobil. Eine Karte umfasst dabei bis zu zwei Erwachsene und vier Kinder unter 16 Jahren. Die Campingcard beinhaltet nicht die Übernachtungssteuer. Diese beträgt 2026 laut den offiziellen Bedingungen 400 ISK pro Einheit und Nacht.
- Was passiert, wenn man die Campingcard verliert?
Dann ist sie weg. Die Karte ist weder ersetzbar noch erstattungsfähig, ein Verlust bedeutet also, dass ihr ab diesem Punkt an den entsprechenden Plätzen regulär bezahlt.
- Kann man beliebig lange auf einem Campingplatz mit der Karte bleiben?
Nein, maximal vier Nächte am Stück pro Platz. Wer länger bleiben will, zahlt ab der fünften Nacht regulär. - Kann man übrige Nächte übertragen, falls man die Karte nicht komplett aufbraucht?
Nein. Die Karte läuft am 15. September des Kaufjahres ab, egal wie viele Nächte noch übrig sind. Übrig gebliebene Nächte verfallen einfach, eine Übertragung auf das nächste Jahr oder eine andere Person ist nicht möglich.
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