
Wieder ist ein Monat vergangen und wieder habe ich ungeduldig auf Christianes Schreibeinladung für die nächste abc.Etüde gewartet. Dieses Mal waren die Worte Instinkt, schuldig und rücken vorgegeben. Die Idee ließ wie immer nicht lange auf sich warten und schwirrte schon eine ganze Weile in meinem Kopf herum.
Diesmal habe ich mich in eine Szene gewagt, die nichts mit Reisen zu tun hat. Manchmal will eine Geschichte einfach geschrieben werden, egal ob sie zum Blog passt oder nicht. Und diese hier hat mich nicht losgelassen, bis ich ihr den Raum gegeben habe.
„Du kannst mich Anna nennen.“
Ich blinzelte. Mehrmals. Die Gedanken kamen und gingen, zu schnell, zu viele, als wären sie gar nicht für mich gedacht.
Anna. Meine Lippen formten stumm den Namen nach, als würden sie den Klang kosten wollen. Zweimal. Dreimal. Als müssten sie erst lernen, wie er sich anfühlt.
„Anna“, murmelte ich mehr zu mir selbst. Die Hand fuhr vor den Mund, bevor das Lachen kommen konnte. Ich suchte in den Tiefen meines Verstandes nach einer angemessenen Reaktion, doch der Instinkt hatte sich längst verabschiedet.
Ich senkte den Blick und räusperte mich. Die Hände meines Gegenübers hielten sich so krampfhaft an der Stuhllehne fest, dass die Fingerknöchel weiß wurden. Gleichzeitig wippte der Fuß permanent auf und ab. Auf und ab. Wie das Pendel einer alten Standuhr, das unausweichlich jede Sekunde bis zum Unvermeidlichen zählt. Irgendwo draußen fuhr ein Auto vorbei. Die Welt ging einfach weiter und ich fühlte mich schuldig.
Mit Schrecken erkannte ich, dass ich noch immer nicht geantwortet hatte. Und noch immer weit davon entfernt war, auch nur einen klaren Gedanken formulieren zu können. Doch was ist eine angemessene Reaktion, wenn dein Leben mit all seinen Plänen plötzlich mit Vollgas gegen die Wand fährt? Flucht? Verleumdung? Ignoranz?
Akzeptanz, flüsterte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf, doch davon war ich meilenweit entfernt.
Ich atmete tief durch, schaute meinem Gegenüber in die Augen und las dort die stumme Bitte. Leicht schüttelte ich den Kopf und rückte ein Stück ab. Etwas veränderte sich. Es war, als würde die Luft aufhören, zwischen uns zu existieren. Die Hitze schoss mir ins Gesicht, mein Blick rutschte weg.
„Tut mir Leid, ich brauche einen Moment“, wisperte ich, stand auf und ging. Ich ließ ihn – nein, sie! – zurück und damit alle meine Träume und Hoffnungen.
Flucht, Verleumdung, Ignoranz.
Heute.
Für Akzeptanz ist morgen noch Zeit.
Die erste Etüde, bei der ich genau die 300 Wörter erreicht habe. Manchmal ist das Kürzen viel anstrengender und zeitaufwändiger als das Schreiben. Und trotzdem macht es immer wieder Spaß sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Wie reagiert ihr, wenn euch jemand mit einer Neuigkeit überrascht, mit der ihr nie gerechnet hättet?
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Au, das ist eine schwierige Situation, wenn man mit dem, was man erfährt, komplett überfordert ist und nicht weiß, wie man reagieren soll. Ich hoffe nur, dass Anna nach dem „Moment“ noch da ist und sie reden können.
Kann es sein, dass dir beim Kürzen das „schuldig“ durch die Lappen gegangen ist?
Nachdenkliche Montagmorgengrüße 😉
Ha! Du hat vollkommen recht.
Das werde ich gleich noch einmal umändern 😉
Liebe Grüße, Lisa