
Mit dieser Frage überraschte mich meine Tochter eines abends, als wir im Bett lagen und es doch eigentlich schon längst Schlafenszeit war. Noch im Aprilrückblick hatte ich darüber geschrieben, dass ich bei beiden Kindern einen Entwicklungssprung vermutete und – zack – kommt meine gerade mal sieben Jahre alte Tochter mit wahnsinnig tiefgründigen Fragen um die Ecke.
Und plötzlich war ich mehr als überfordert. Denn diese Frage geht tief. Hier reicht es nicht rational und kindgrecht die Biologie hinter Schwangerschaft und Geburt zu erklären. Diese Frage geht direkt ins Herz. Und so stammelte ich mehr schlecht als recht eine Antwort heraus. Denn zu der Frage, wie sich Mamasein denn wirklich anfühlt, gesellte sich in meinem Kopf noch eine Zweite: Warum habe ich noch nie darüber nachgedacht?
Neun Jahre Mama und trotzdem keine Antwort auf eine so einfache Frage. Typisch. Solche Gedanken lassen mich nicht so schnell los, also habe ich mich hingesetzt und alles aufgeschrieben. Hier sind sie also: meine ehrlichsten Antworten darauf, wie sich Mamasein für mich anfühlt.
Überwältigend, wie ein Moment auf dem Gipfel
Manchmal fühlt sich das Mamasein für mich an, als würde ich auf einem Berg stehen. Mein Blick schweift über die weite Landschaft unter mir und in einiger Entfernung sind ein paar kleine Dörfer zu erkennen. Ansonsten nur Berge, Wälder, Seen und vielleicht ein Wasserfall, der rauschend seinen Weg ins Tal sucht.
Das ist so ein Moment, wo ich einfach nur dastehe und staune. Darüber, wie mein Leben jetzt aussieht. Darüber, wie ich es überhaupt auf die Reihe bekomme. Und darüber, dass diese zwei kleinen Menschen, die ich auf die Welt gebracht habe, mich jeden Tag aufs Neue überraschen.
Überfordernd, wie ein Tag ohne Ende
Wenn die Überwältigung langsam ins Negative kippt, kommt auch gern ein großer Schwung Überforderung dazu. Da sind so viele Aufgaben, die jeden Tag zu erledigen sind. Unendlich lange To-Do-Listen, die auch nach einem kritischen Blick und dem kürzenden Rotstift immer noch wahnsinnig lang sind.
Die aber auch so lang sind, weil ich sie mir selber so lang mache. Denn ich bin nicht der Typ Mensch, der sich nur übers Mamasein definiert und in dieser Rolle aufgeht. Ich bin die Frau, die sich eigene Projekte sucht, die sie verwirklichen möchte. Aber da auch mein Tag nur 24 Stunden hat, ist irgendwann einfach die Luft raus. Und dann sitze ich da, erschöpft bis auf die Knochen, und frage mich: Warum mache ich mir das eigentlich selbst so schwer? Die Antwort kenne ich natürlich. Ich will einfach beides. Und meistens klappt das auch – nur eben nicht immer.
Stolz, wie wenn das Herz zu groß für die Brust wird
Das eine Kind setzt sich von selbst hin und liest ganz allein ein ganzes Kapitel Harry Potter. In der dritten Klasse! Gleichzeitig weiß er in diesem Alter schon ganz genau, auf welche weiterführende Schule er gehen möchte. Wahnsinn, wie selbstbewusst meine Kinder sind. Ich kann mich nicht daran erinnern, in diesem Alter auch nur einen Tag nicht einfach so in den Tag hineingelebt zu haben. Und das ist nicht einfach ein überambitioniertes Ziel. Das ist absolute Klarheit über die eigenen Wünsche und Stärken.
Das andere Kind kämpft jeden Tag wie eine Löwin für ihre Überzeugungen. Manchmal schießt sie dabei über das Ziel hinaus, manchmal ist es aber auch genau diese Selbstständigkeit, die sie zum Erfolg bringt. Und gleichzeitig stellt sie uns jetzt jeden Abend wahnsinnig tiefgründige Fragen. Immer dann, wenn der Tag zur Ruhe kommt und sie nicht ihren redefreudigen Bruder übertönen muss. Wo kommt das auf einmal her? War sie nicht noch gestern mein kleines Mädchen, das auf der Prager Straße beim Spielen in den Zierbrunnen gefallen ist?
An vielen Tagen ist da einfach eine riesengroße Portion Stolz in meinem Herzen.

Heilsam, wie die erste Umarmung nach einem langen Tag
Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber meine Kinder halten mir fast täglich einen Spiegel vor die Nase. Mit der stummen Frage: Warum reagierst du so, wie du reagierst?
Und das ist manchmal unbequem. Denn plötzlich erkenne ich in meiner eigenen Ungeduld die Muster, die ich aus meiner Kindheit kenne. Oder ich merke, dass ich in einem Konflikt mit den Kindern eigentlich gar nicht wütend auf sie bin, sondern auf mich selbst. Kinder sind da gnadenlos ehrlich, ohne es zu wissen.
Aber genau das ist das Heilsame daran. Ich wäre nie so tief in mich hineingegangen, wenn diese zwei kleinen Menschen mich nicht jeden Tag dazu gezwungen hätten. Das Mamasein hat mich damit zu der Person gemacht, die ich eigentlich schon immer sein wollte.
Geduldig, wie Wasser, das seinen Weg findet
Ich war noch nie ein sehr geduldiger Mensch, das hat sich auch mit der Geburt meiner Kinder nicht groß geändert. Aber seitdem sie auf der Welt sind, gebe ich mir zumindest Mühe, geduldigER zu sein. Mein Endgegner war hier schon immer die Einschlafbegleitung, denn hier überträgt sich natürlich meine eigene Ungeduld auf das Kind, das eigentlich schlafen soll. Auf Platz 2 liegt auf jeden Fall der Satz: Das mache ich allein. Super für die Selbstständigkeit, weniger gut für meine Ungeduld.
Aber ich übe. Jeden Tag ein bisschen. Mal gelingt es mir besser, mal schlechter.
Angsteinflößend, wie ein Schatten der mitläuft
Ich gebe es ganz offiziell zu: Ich habe meinen Kindern früher beim Schlafen zugesehen und mehr als einmal die Atmung kontrolliert. Wer kennt’s? Angst und Sorgen sind als Eltern unsere ständigen Begleiter. Als mein Sohn das erste Mal allein von der Schule nach Hause gelaufen ist, konnte ich mich auf der Arbeit auf gar nichts konzentrieren. Es ist natürlich nichts von dem passiert, was mir mein Kopf an Horrorvorstellungen vorgespielt hat.
Die Angst wird immer ein stiller Begleiter bleiben. Ich übe noch eine gute Balance zu finden, um mit ihr zu leben, der Angst aber auf einen Fall die Führung zu überlassen.

Zweifelnd, wie ein Kompass ohne Norden
Zweifel sind ganz furchtbar und doch kann auch ich manchmal wenig dagegen tun. Dann fressen sie sich durch meine Gedanken und setzen sich dort fest, wenn ich nicht aufpasse und sie rechtzeitig wieder verjage. Zu den Klassikern gehören: Müsste ich nicht eigentlich…? Aber die Anderen…? Wäre es nicht besser, wenn…? Oder die Mutter aller Zweifel: Bin ich überhaupt eine gute Mama?
Vieles davon hat mit Vergleichen zu tun. Denn auch wenn ich mir gerne einrede, dagegen immun zu sein, ist das natürlich Quatsch. Die Herausforderung besteht darin, den Ursprung des Zweifels zu erkennen und ihn dort anzugehen, wo er wirklich sitzt.
Mutig, wie eine brüllende Löwin
Ich bin ein eher ruhiger, gelassener Mensch, der zugunsten der Harmonie auch gern mal auf einen Konflikt verzichtet. Aber WEHE jemand bedroht meine Kinder – dann werde ich zur Löwenmama. Das war natürlich bildlich gesprochen, aber es soll sich ja keiner einfallen lassen, meine Kinder in der Schule zu mobben. Oder sie zu schubsen. Ehrlich gesagt reicht es auch schon aus, wenn sie absolut unfair von völlig Fremden behandelt werden.
Da ich aber ungern auf offener Straße andere Leute anpöbel, heißt es erst einmal tief durchatmen. Und dann die Situation objektiv bewerten. Lohnt es sich, den Löwen von der Leine zu lassen oder nicht? Wenn ja – auf geht’s! Dann stehe ich zu 100% für meine Kinder ein und wachse in zwischenmenschlichen Gesprächen in einer Art über mich hinaus, die ich nie für möglich gehalten hätte. Meistens halte ich den Löwen aber trotzdem lieber an der kurzen Leine. Denn die Kinder dürfen auch lernen, mit kleinen Streitigkeiten selbst zurechtzukommen.
Verwurzelt, wie en alter Baum im Sturm
Meine Familie ist mein Anker. Mein Fixstern. Meine Heimat. Ganz unabhängig von geografischen Grenzen. Es wird immer gesagt, dass Kinder starke Wurzeln brauchen, um fliegen zu lernen. Aber ich finde, genau das Gleiche trifft auch auf uns Eltern zu.
Denn auch ich brauche diesen festen Punkt. Den Ort, an dem ich einfach ich sein darf mit allem Chaos, allen Zweifeln, aller Ungeduld. Wo man mich kennt, wie ich wirklich bin. Wo die Liebe nicht an Bedingungen geknüpft ist. Meine Familie gibt mir das. Und das ist vielleicht das Größte, was das Mamasein mir geschenkt hat: nicht nur jemandem ein Zuhause zu geben, sondern gleichzeitig auch selbst eins gefunden zu haben.


Und da ist so viel Liebe
Hatte ich mich jemals gefragt, ob ich einem zweiten Kind überhaupt gerecht werden kann? Ganz einfach: Die Liebe wächst mit jeder Person, die man in sein Herz lässt, weiter und weiter. Gerade muss ich schmunzeln, weil es sich anfühlt, als würde ein kleiner Buzz Lightyear auf meiner Schulter sitzen, den Arm in die Luft strecken und heroisch rufen: Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter.
Es bleibt dabei: Ich liebe jede Person in meiner Familie auf ihre ganz eigene Art und Weise. Den einen mehr, den anderen weniger. Und ein paar Minuten später wieder genau umgedreht, denn natürlich gibt es täglich den ein oder anderen Konflikt. Wir müssen uns nicht immer leiden können. Aber die Liebe ist der Kleber, der alles zusammenhält. Auch wenn es mal schwierig ist.
Das waren meine zehn Antworten. Nachdem ich zum Muttertag eine Kurzfassung des Artikels auf Instagram gepostet hatte, sind noch einige Worte mehr dazugekommen. Vielen Dank an alle, die sich beteiligt haben! Folgende möchte ich in meine ganz persönliche Antwort noch mit einbeziehen:
- Dankbar: Oh ja! Auf jeden Fall. Wir sollten in unserer Welt jeden Abend dafür dankbar sein, zwei gesunde und satte Kinder in ein warmes und sicheres Bett legen zu dürfen. Aber auch im Kleinen bin ich dankbar. Für die gebastelten Geschenke, die jede Woche vom Hort mitgebracht werden. Für die Kuscheleinheiten, die ich von meinen Kindern bekomme. Und natürlich dafür, dass ich jeden Tag aufs Neue die Chance bekomme, es besser zu machen als gestern.
- Erschöpfend: Auch hier stimme ich vollkommen zu. Gerade für mich als introvertierte Person ist der permanente Kontakt mit meinen Kindern auch anstrengend und erschöpfend. Es gibt Abende, da sinke ich ins Sofa und bin einfach nur leer. Nicht unglücklich – nur leer. Und das ist okay. Denn am nächsten Morgen stehen sie vor meinem Bett und lachen mich an, und irgendwie ist der Akku dann doch wieder ein bisschen aufgeladen.
- Chaotisch: Falls ihr euch jemals fragt, ob eure Kinder ein eigenes Zimmer brauchen: Ja! Und zwar, damit ihr die Tür zumachen könnt, um das Chaos nicht sehen zu müssen. Aber auch ansonsten ist mein Leben durch die Kinder im einiges chaotischer. Manchmal finde ich das gut, manchmal ist es einfach nur anstrengend. (Siehe auch den Punkt davor)
- Inspirierend: Warum bin ich da nicht selbst draufgekommen? Inspirierend stimmt auch bei mir zu 100 Prozent! Zum einen weil mich die Kinder dazu inspirieren, mehr im Moment zu leben. Zum anderen aber auch ganz direkt, denn sie haben mich zu meinem ersten fertiggeschriebenen Kinderroman inspiriert. Und fanden ihn am Ende sogar noch richig toll!
- Spaßig: Dadurch, dass die beiden ein ähnliches Alter haben, geht es bei uns oft spaßig zu. Da kann man schon mal vor lauter Quatschmachen vergessen, sich umzuziehen. Und manchmal ist genau das der beste Teil des Tages. Der Humor meiner Kinder ist übrigens erschreckend gut. Ich weiß genau, von wem sie das haben. (Spoiler: von mir nicht 😉 )
Und damit schließt sich der Kreis. Meine Tochter hat mich damals mit einer einzigen Frage aus dem Konzept und gleichzeitig dazu gebracht, ehrlicher über mich nachzudenken als in den neun Jahren davor. Vielleicht ist das die beste Antwort von allen: Mamasein fühlt sich an wie ein Abenteuer, für das es keine Karte gibt. Laut, leise, chaotisch, heilsam und jeden Tag ein bisschen anders. Oder man könnt auch sagen: Die Schönste und Anstrengendste Reise unseres Lebens.
Wie würdet ihr die Frage beantworten? Ich bin gespannt auf eure Worte.
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