
Eigentlich sehen wir uns, meine Freundinnen und ich, jedes Jahr zu Weihnachten in der alten Heimat. Manchmal auch zu Ostern. Und in Jahren, wo wir richtig viel Glück hatten, schafften wir es sogar zu beiden Terminen. Doch im letzten Jahr war irgendwie der Wurm drin. So kam es, dass wir an einem kalten Tag zwischen den Jahren nur zu zweit unterwegs waren und beschlossen: So kann es nicht weitergehen.
Erich Kästner sagte einst: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Also beschlossen wir, etwas Gutes für unsere Freundschaft zu tun und unser erstes Mädelswochenende zu planen. Schnell war klar, dass bei der diesjährigen Lage der Feiertage eigentlich nur der 1. Mai in Frage kommt. Wo wir sonst um Termine ringen, ging es diesmal erstaunlich reibungslos. Fast schon zu einfach, dachte ich zwischendurch, denn manchmal kommen die unsichtbaren Probleme erst später ans Licht.
Aber dieses Mal nicht. Am Ende waren wir alle fünf zusammen in Würzburg.
Warum ausgerechnet Würzburg?
Eine berechtigte Frage, wenn man bedenkt, dass vier von uns im östlichen Teil von Sachsen zu Hause sind. Liebhaber der Stadt würden jetzt vermutlich von der überschaubaren Größe, der imposanten Festung Marienberg hoch über dem Main oder dem Frankenwein schwärmen. Und ich würde ihnen Recht geben (bis auf den Wein) und trotzdem sagen: War halt praktisch.
Eine von uns lebt dort und hat vor einem Jahr ihr erstes Kind bekommen. Und wer selbst Kinder hat, weiß: Ein Baby im Gepäck bedeutet keinen Spontanurlaub, keine langen Autofahrten auf Zuruf und keine Nächte fernab von allem Vertrauten. Also fuhren wir zu ihr.
Es gab keinen großen Städtevergleich und keine langen Diskussionen. Als das Datum feststand, war der Ort längst klar. So einfach kann es sein. Alles andere heben wir uns für das nächste Mal auf.

Wenn Mädels unter sich sind – Kurzurlaub mit Freundinnen
Vor 15 bzw. 14 Jahren haben wir unser Abitur an derselben Schule gemacht und sind seitdem miteinander verbunden. Hochzeiten wurden gefeiert, natürlich mit den entsprechenden Junggesellinnenabschieden vorneweg. Drei von uns haben Kinder bekommen, alle haben eine Familie dazugewonnen und sich ihr eigenes Leben aufgebaut. Und trotzdem fühlt es sich, sobald wir zusammen sind, an, als wären wir immer noch 18. Zumindest bis ich mir wieder bewusst mache, dass ich in einem kleinen Bus sitze, den es ohne Kinder vermutlich nicht geben würde und zwischendurch Kekskrümel aus den Ritzen des Sitzes hervorhole.
Vielleicht funktioniert es so gut, weil wir uns ähnlich sind. Oder zumindest einig, was die wirklich wichtigen Dinge betrifft. Natürlich hat jede ihre eigenen Wertevorstellungen und ihren eigenen Alltag. Aber wenn wir zusammen sind, muss niemand mehr groß nachdenken. Keine Reibereien, keine Konflikte. Eine Dynamik, die wir uns in acht Jahren gemeinsamer Schulzeit aufgebaut haben und die einfach funktioniert. Als würden wir uns auch ohne Worte verstehen.
Ich schreibe hier sonst über das Reisen mit Kindern und da läuft bekanntlich nicht immer alles glatt. Umso mehr habe ich dieses Mädelswochenende genossen. Fünf Frauen ohne ihre Kinder, die sich schon sehr lange kennen und doch viel zu selten sehen. Wie anders sich das anfühlt, merkte ich bereits innerhalb der ersten Minuten. Nämlich genau dann, als die erste Brotdose aus dem Rucksack gezaubert wurde, die ich nicht selbst zurechtgemacht hatte.

Festung, Residenz und ein blauer Himmel ohne Schleierwolken
Natürlich haben wir uns auch die Stadt angesehen. Nach der Ankunft – und einer etwas längeren Parkplatzsuche, denn wir waren nicht die Einzigen, die das verlängerte Wochenende für einen Kurztrip genutzt hatten – war die Alte Mainbrücke schon gut gefüllt, vor allem wegen der Weinausschänke direkt auf der Brücke. Von dort liefen wir über den Weinwanderweg zur Festung Marienberg hinauf. Ein Blick von oben gehört eben dazu.
Trotz laufender Sanierungsarbeiten konnten wir die Außenanlage umrunden und wurden mit einem wundervollen Ausblick belohnt. Die Sonne stand genau hinter uns, sodass jeder einzelne der unzähligen Kirchtürme Würzburgs zu erkennen war. Das Wetter spielte an diesem Wochenende überhaupt perfekt mit: Sonnenschein ohne Ende, ein blauer Himmel, an den sich nicht einmal die kleinste Schleierwolke traute.




Danach brachten wir Gepäck und Auto in die Ferienwohnung und machten uns auf zur Residenz. Durch ihre Gärten schlenderten einst die Fürstbischöfe – und wir nach ihnen. Die Anlage ist wirklich wunderschön: Bunt bepflanzte Beete, Wege, die sich durch das Grün schlängeln, mal Treppen hinauf, mal durch zauberhafte Spaliere. Um 18 Uhr war der Garten noch voller Menschen, aber das Licht war anders. Irgendwie Wärmer. Die Residenz stand im Gegenlicht, die Blumen leuchteten und die Bäume warfen lange Schatten. Dazu eine protzige Hofkirche und einen Burger zum Abendbrot. Besser kanns nicht werden, oder?





Was wirklich zählt
Doch, irgendwie schon. Denn das alles war nicht der Kern unseres Mädelswochenendes. Der Kern war das gemeinsame Frühstück, das sich ewig dehnte, weil niemand ganz dringend irgendwo hinmusste. Die Spieleabende, bei denen wir bis spät zusammensaßen und redeten, weil keine kleinen Menschen um sechs Uhr morgens wieder aufstehen wollten. Das Eisessen in der Innenstadt. Die Stille am frühen Samstagmorgen, als ich allein eine Runde am Main entlangging – keine Verabredung, kein Ziel, kein Kind an der Hand. Nur der spiegelglatte Fluss, ich und eine Stadt, die noch halb schlief. Genau das Richtige, für mich.
Ein weiteres Highlight waren die Natventures-Games am Samstag. Das sind eine Reihe von Teamspielen im Freien, die uns alle auf Anhieb begeistert haben. Nicht weil sie besonders aufwendig gewesen wären, sondern weil sie genau das Richtige waren: konzentriert genug, um wirklich dabei zu sein, entspannt genug, um einfach den Moment zu genießen. Wir haben gerätselt, gelacht, uns gegenseitig angefeuert und zwischendurch auch herzlich aufgezogen. Am Ende gab es zwar eine Siegerin nach Punkten – das war ich 😉 – aber eigentlich auch fünf Gewinnerinnen. Leider konnten wir uns nicht alle auf das Siegerinnenpodest stellen, weil es dafür doch etwas zu wackelig war.
Bei Natventure-Games kann man auch Bogenschießen, Axtwerfen oder Minigolf spielen. Alles Infos findet ihr hier. Lasst euch aber nicht zu sehr von den Bildern beeindrucken, die nach „mitten im Wald“ aussehen. Es ist mehr eine kleine Fläche direkt am Main in Zentrumsnähe mit ein paar Bäumchen.

Auf die nächsten 15 Jahre
Vielleicht sollten wir öfter solche Mädelswochenenden einplanen. Denn im Vergleich zu Treffen rund um Feiertage scheint das besser zu funktionieren – entweder weil ein freies Wochenende mitten im Jahr noch nicht so sehr von Familie und Verpflichtungen besetzt ist, oder weil es schlicht leichter fällt, sich drei Tage am Stück freizuhalten als einen einzelnen Nachmittag. Die Priorität wächst. Und damit auch das Gefühl, dass man etwas Echtes verpassen würde, wenn man absagt. Was sind schon ein paar Stunden gegen drei gemeinsame Tage?
Dabei war es bei uns gar nicht so schwer. Es braucht keine große Reise, kein ausgefeiltes Programm und keinen perfekten Ort. Es braucht nur den Entschluss, es wirklich zu tun und den nächsten Mädelsurlaub einfach fest einzuplanen. Einen Termin, den alle im Kalender blockieren. Und jemanden, der den ersten Schritt macht und fragt: Wann passt es euch?

Freundschaft ist nicht, immer zusammen zu sein – sondern auch nach langer Zeit weitermachen zu können, als wäre nichts gewesen. Es sind jetzt 15 Jahre, seit wir das Abitur gemacht haben. 15 Jahre, in denen wir Höhen und Tiefen erlebt haben, Städte gewechselt, Familien gegründet und uns trotzdem nie wirklich aus den Augen verloren haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist etwas, wofür man aktiv etwas tun muss. Und genau das haben wir getan.
Auf die nächsten 15 Jahre und viele weitere gemeinsame Erinnerungen! Das nächste Mal hoffentlich zu sechst.
Warst du schon mal in Würzburg – mit Freundinnen, mit der Familie oder ganz allein? Ich bin neugierig, wie du die Stadt erlebt hast.
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