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Island im Campervan mit Kindern – unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen

Island im Campervan mit Kindern - unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen - Sonnenuntergang Mitternachtssonne Faxafoss Campingplatz
Sonnenuntergang? Eher Mitternachtssonne auf dem Campingplatz beim Faxafoss

Camping im Zelt finde ich prinzipiell furchtbar. Die Helligkeit am frühen Morgen, wenn die Sonne durch die dünne Stoffwand kriecht, die Lautstärke jedes Windstoßes und die Abhängigkeit vom Wetter waren noch nie meins. Also war Island im Campervan mit Kindern für uns von Anfang an ein eher unfreiwilliges Experiment. Eines, bei dem ich mir vorher viele Gedanken gemacht habe und trotzdem lange nicht wusste, auf welcher Seite ich am Ende stehen würde.

Dieser Artikel folgt unserer Reise auf Island so, wie sie tatsächlich verlief, Station für Station, inklusive aller Gedanken dazu. Wer nur die Fakten will, findet ganz am Schluss unsere ganz persönliche Pro- und Kontra-Liste. In jedem Fall ist ein Familien-Roadtrip mit Campervan ein ganz besonderes Abenteuer.

Und während es hier um das Leben im Van geht, erzähle ich in zehn Lieblingsmomente unserer Islandreise über alles, was uns abseits davon am meisten begeistert hat.

Island im Campervan mit Kindern - unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen - draußen frühstücken idyllisch am Fluss
Mit Flussrauschen im Ohr schmeckt das Frühstück gleich viel besser

Wie die Idee zum Experiment Campervan entstand

Ein Jahr vor der Reise hatten wir uns schon längst für Island entschieden. Über Snæfellsnes würde mitten in den Sommerferien eine Sonnenfinsternis ziehen und ich wollte ohnehin schon lange auf die Insel. Der Termin stand fest, der Ort auch, also wusste ich ungefähr, wo eine Ferienwohnung liegen müsste. Offensichtlich war ich aber nicht die Einzige, die schon so zeitig auf der Suche nach einer Unterkunft war. Bis auf ein Ferienhaus war alles ausgebucht und das hätte uns zehntausend Euro pro Nacht kostete. Sonnenfinsternis halt…

Also habe ich noch am selben Tag bei Go Campers gebucht (unbezahlte Werbung), sicher ist sicher. So wurde aus der Ferienwohnung-Suche ganz plötzlich eine Campervanreise mit Kindern durch Island. Ein Dachzelt kam für uns dabei nicht infrage, dafür sitzt die Erinnerung an literweise Regenwasser im Zeltinneren aus früheren Reisen noch zu tief. Zumindest wäre es im Camper komfortabler als im Zelt, sagte ich mir. Dunkler und besser vor der Witterung geschützt wären wir auch. Ob das reichen würde, um mich zu überzeugen, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Island im Campervan mit Kindern - unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen - Campervan im Vulkangebiet


Die ersten anderthalb Wochen

Am ersten Abend kann ich im Van und kann tatsächlich aufrecht stehen. Das allein fühlt sich nach mehr an, als das Zelt je hergegeben hätte. Als meine Tochter sich ein paar Tage später beim Skógafoss Wasserfall ohne Regenjacke das Gischtwasser ins Gesicht peitschen lässt, muss ich nicht einmal überlegen. Ich greife zurück am Van einfach unter die Sitzbank, ziehe trockene Sachen raus, fertig. Sie hätte an diesem Nachmittag noch drei weitere Wasserfälle testen können, ohne dass es für uns zum Problem geworden wäre.

Wasserfälle gibt es in Islands Süden wirklich so weit das Auge reicht. Von sieben Wasserfällen auf unserer Reise erzähle ich in diesem Artikel.

Auch die Frage nach dem Mittag löst sich anders als sonst, denn wir können einfach da, wo wir gerade sind, anhalten und kochen. Oft sogar auf einem Parkplatz mit einer fantastischen Aussicht. Wir haben einfach immer alles dabei, sogar die Lebensmittel im kleinen Kühlschrank. Im empfinde es als sehr erleichternd, nicht jeden Morgen überlegen zu müssen, was und wie viel zu Essen ich in den Rucksack packen muss. Wenn der Hunger kommt, halten wir an und fertig!

Island im Campervan mit Kindern - unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen - Campervan beim Gletscher
Kochen mit Aussicht

Am dritten Tag finden wir einen kleinen ruhigen Campingplatz im Süden der Insel. Auf der Wiese daneben ziehen zwei Islandpferde die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Die meisten Gäste kommen spät und fahren früh weiter, sodass wir den Platz am Vormittag fast für uns allein haben. Ein guter Zeitpunkt, um in Ruhe zu duschen, Wäsche zu waschen und zu kochen – alles kostenlos.

Tatsächlich gibt es große Unterschiede von Campingplatz zu Campingplatz. Manche haben keine oder keine kostenlosen duschen, auf anderen muss man für das Wäsche waschen bezahlen. In Stokkseyri hat uns die Logistik aber so gut gefallen, dass wir während unseres Urlaubs noch weitere zwei Nächte dort verbracht haben. Zumal der Platz in unserer Campingcard enthalten ist und wir für die Übernachtung nur noch die Steuern bezahlen müssen.

Einen festen Plan haben wir für diese Reise ohnehin nicht, sondern nur eine Liste in Google Maps mit allem, was sich lohnen könnte. Diese Unbeschwertheit ohne feste Uhrzeiten, bei denen wir irgendwo einchecken müssen, hatte ich vorher unterschätzt. Sie hat mich schon beim Packen zu Hause ruhiger gemacht und unterwegs nie das Gefühl aufkommen lassen, dem eigenen Zeitplan hinterherzufahren.


Die Kehrseite des Komforts

Was mich von Anfang an nervt, ist die tägliche Kleinarbeit im Hintergrund. Der Kofferraum ist voll, unter der Sitzbank liegt nur, was wir für die nächsten zwei, drei Tage brauchen und jedes Mal muss die ganze Sitzfläche hoch, damit wir überhaupt heranzukommen. Besonders eng wird es, wenn wir tagelang durch Gegenden fahren, in denen der nächste Supermarkt weit weg ist und plötzlich alle Vorräte gleichzeitig verstaut werden müssen. Abends dann Tisch runter, Bett rauf, verdunkeln, umräumen und morgens wieder alles zurück. Jeden Tag von vorn. Unter dreißig Minuten schaffen wir es auch am Ende des Urlaubs nie.

Aber draußen scheint die Sonne, die ersten anderthalb Wochen am Stück, tagsüber wird es im Van dadurch warm genug, dass die Standheizung nachts ausbleiben kann. Und vor der Kulisse der atemberaubenden isländischen Landschaft schaffe ich es, über das tägliche Umräumen hinwegzusehen.

Island im Campervan mit Kindern - unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen - Campingplatz in Vik
großer Campingplatz in Vík í Mýrdal mit Blick auf die Reynisdrangar-Felsen im Meer

Heimaey und der Regen

Die Fähre nach Heimaey, die größte der Westmännerinseln, hatte ich Wochen vorher gebucht. Mit einem großen Auto ist das durchaus zu empfehlen, vor allem in den Sommermonaten. Verschieben lässt sich der Termin also nicht mehr, als der Regen einsetzt. Zwei Tage lang, ohne große Pause.
Heimaey ist die Insel der Papageitaucher und eigentlich will ich früh oder abends zu ihnen an die Klippen, wenn sie vom Meer zurückkommen.

Aber bei Dauerregen fehlt mir die Lust, noch einmal in die Nässe zu ziehen. Also begnügen wir uns mit einer kleinen Runde am Nachmittag und bleiben die restliche Zeit am Campingplatz. Zum Glück gibt es einen großen, angenehmen Aufenthaltsraum, in dem wir im Trockenen spielen und unsere nassen Schuhe trocknen können. In der kommenden Nacht machen wir im Regensturm kaum ein Auge zu und kuscheln uns zu viert ins untere Bett – auf der Liegefläche oben klingt es, als würde eine ganze Herde Islandpferde über den Van galoppieren.

Island im Campervan mit Kindern - unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen - Camping mit Regenwetter auf Heimaey
Campen im Vulkankrater auf Heimaey – leider bei uns mit Dauerregen

Den Sturm lassen wir auf Heimaey, aber der Regen begleitet uns mit der Fähre zurück aufs Festland. Auf dem Weg zurück Richtung Reykjavik nehmen wir noch den Wasserfall Seljalandsvoss mit, bei dem wir hinter dem Wasser entlanggehen könnenn. Das ist tatsächlich eine gute Idee bei Regenwetter, denn nass wird man dabei so oder so. Am Abend hänge ich die nassen Regensachen unter einem kleinen Dachvorsprung auf, da sie im Campervan sowieso nicht trocknen würden.

Mitten in der Nacht höre ich jedoch, wie der Wind wieder stärker wird, und liege wach, weil ich mir vorstelle, wie er die Wäsche einfach mitnimmt. Rausgehen und retten kann ich sie nicht, ohne mit der lauten Schiebetür die ganze Familie zu wecken. Also bleibe ich liegen und höre zu, wie es rüttelt und rauscht, bis es irgendwann Zeit zum Aufstehen ist. Am Ende ist nichts weggeweht, aber geschlafen habe ich in dieser Nacht kaum.

Am nächsten Vormittag will ich das nachholen. Draußen regnet es noch immer, also spielen die Kinder leise am Tisch. Ich schließe über ihnen die Augen und versuche zu schlafen. Ich höre trotzdem jedes Wort, das Rascheln von Papier und ab und zu ein leises Kichern. Nicht zum ersten Mal in diesem Familienurlaub wünsche ich mir einen weiteren Raum, in den ich mich hätte zurückziehen können. Kein Wunder bei vier Menschen auf so wenig Quadratmetern und mir als introvertierter Person mittendrin.


Snæfellsnes und die Sonnenfinsternis

Eine Woche später, auf der Halbinsel Snæfellsnes, geht es endlich um den eigentlichen Grund der Reise. In Grundarfjörður bekommen wir noch einen Platz, und wir wissen, wie viel Glück das ist. Rund um die Sonnenfinsternis herrscht großer Andrang. An manchen Plätzen haben sich die Preise für die Übernachtung auch schon ein paar Tage vorher vervierfacht. Nur unserer bleibt davon verschont (von den Preisen, nicht vom Andrang) und er ist sogar in unserer Campingcard enthalten.

Und noch einmal unbezahlte Werbung: Der Instagram-Kanal von Grundarfjörður ist super lustig und selbstironsch. Schaut gern mal vorbei.

Wir bleiben drei Nächte und bewegen den Van keinen Zentimeter. In der Zeit lernen wir eine andere Familie kennen, wandern gemeinsam, sitzen abends zusammen und gehen morgens gemeinsam ins Schwimmbad direkt neben dem Platz. Erst nach der Sonnenfinsternis ziehen wir weiter und so haben wir drei Tage, in denen wir das Bett zum ersten Mal auf der Reise aufgebaut lassen können. Kein Bauen, kein Räumen, nur das Abwaschen nimmt uns leider immer noch kein anderer ab. 😉 Trotzdem fühlen sich diese letzten Tage auf Island noch einmal so richtig nach Urlaub und Entspannung an.

Island im Campervan mit Kindern - unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen - Campingplatz Grundarfjörður
Noch ist etwas Platz auf dem Campingplatz in Grundarfjörður – nicht mehr lange

Unser Fazit nach 18 Tagen Island im Campervan mit Kindern

Würden wir noch einmal mit dem Campervan und Kindern durch Island reisen? Die Antwort ist ein eindeutiges vielleicht, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Für einen Roadtrip mit vielen Ortswechseln ist ein Van tatsächlich bequem. Wir hätten theoretisch jederzeit dem besseren Wetter hinterherfahren oder die ganze Route Richtung Osten oder Norden umwerfen können, wenn uns der Süden nicht überzeugt hätte. Gebraucht haben wir diese Freiheit am Ende kaum, aber allein das Wissen, sie zu haben, hat vieles entspannter gemacht. Urlaub im Campervan kommt mir persönlich außerdem weniger anstrengend vor als eine große Hotelanlage mit vielen Menschen und festen Essenszeiten.

Würden wir uns doch noch einmal für einen Campingurlaub mit Kindern entscheiden, dann sicher nicht wieder achtzehn Tage am Stück. Die Enge war auf Dauer zu viel, auch wenn wir locker noch einmal so lange durch Island reisen könnten, ohne uns zu langweilen. Am allerliebsten würde ich künftig sowieso nur noch ohne Kinder campen. Sie werden ja auch nicht kleiner und ich bin mir aktuell nicht sicher, ob es zwei Erwachsene und zwei Teenager auf Dauer, in einem kleinen Campervan aushalten.

Island selbst bereisen wir auf jeden Fall wieder, aber nicht mehr im Sommer, den kennen wir jetzt. Eher in Richtung Herbstferien, wenn die Preise für Mietwagen und Ferienwohnung wieder auf ein eher bezahlbares Niveau sinken. Die Westfjorde reizen mich noch, genau wie der Norden mit seinen Fischerdörfern. Und – ganz wichtig! – im Oktober stehen die Chancen auf Polarlichter deutlich besser.

Island im Campervan mit Kindern - unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen - kleine Navigatoren im Campervan
Vorn hat man den besten Blick!

Zusammenfassung für alle, die Pro- und Kontralisten lieben


Das fanden wir super:

  • immer alles dabei zu haben, kein tägliches Packen und Grübeln
  • draußen kochen, essen, abwaschen, meist mit toller Aussicht
  • spontan bleiben, Pläne ändern und zu Lieblingsorten zurückkehren
  • weniger Planungsaufwand im Vorfeld, dadurch mehr innere Ruhe für mich unterwegs
  • ein bequemer Weg für einen Roadtrip mit vielen Ortswechseln


Das hat zwischendurch genervt:

  • ständiges Auf- / Umräumen und der wenige Stauraum
  • der tägliche Umbau am Abend und am Morgen, der viel Zeit kostet
  • die Enge zu viert auf Dauer
  • starke Wetterabhängigkeit, vor allem bei Dauerregen macht mir Camping keinen Spaß mehr
  • Wäsche trocknen im Van – wie soll das gehen, wenn es draußen regnet?
  • tägliches Abwaschen, teils nur mit kaltem Wasser



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2 Kommentare zu „Island im Campervan mit Kindern – unsere ehrliche Bilanz nach 18 Tagen“

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