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Reykjanes mit Kindern erkunden – Islands spannende Lavahalbinsel im Südwesten

Reykjanes mit Kindern erkunden - Islands spannende Lavahalbinsel im Südwesten - wir laufen zum Lavafeld naha Grindavik
Die spannendste karge Mondlandschaft, die wir je gesehen haben

Es ist mit das Erste, was man von Island zu sehen bekommt. Der Himmel war klar, und im Landeanflug auf Keflavík tauchten plötzlich riesige schwarze Lavafelder unter uns auf. Sogar einen der Krater konnte ich erkennen. Mein Gesicht klebte förmlich am kleinen Flugzeugfenster, aus Angst, auch nur einen Moment von diesem Anblick zu verpassen.

Natürlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon, dass diese ersten Bilder aus der Luft auch die nächsten Tage unserer Reise prägen werden. Aber etwas aus der Luft zu sehen und am nächsten Tag anzufassen sind zwei völlig verschiedene Erlebnisse. Denn bevor wir mit dem Campervan durch Island in Richtung Ringstraße aufbrachen, blieb noch Zeit, die vulkanische Mondlandschaft der Halbinsel Reykjanes mit Kindern zu erkunden. Sie unterscheidet sich so sehr von den anderen Seiten Islands, die wir danach kennenlernen sollten, dass es sich fast anfühlt, als würde die Reise mit einem eigenen kleinen Land beginnen.

Bevor es darum geht, was wir dort mit Kindern entdeckt haben, kommt hier eine kurze geografische Einordnung, damit ihr wisst, worauf ihr euch einstellen könnt.


Wo Reykjanes liegt und warum die Halbinsel so besonders ist

Reykjanes ist die südwestlichste Halbinsel Islands, direkt neben dem internationalen Flughafen Keflavík gelegen und nur eine knappe Autostunde von Reykjavík entfernt. Trotzdem wurde sie von Reisenden lange eher stiefmütterlich behandelt. Die meisten fahren einfach auf dem Weg zur Ringstraße durch.

Dabei liegt hier, direkt unter der Oberfläche, der Grund dafür, warum Island überhaupt existiert. Die Halbinsel liegt mitten auf dem Mittelatlantischen Rücken, jener Naht im Meeresboden, an der die Eurasische und die Nordamerikanische Kontinentalplatte auseinanderdriften.

Noch mehr spannende Einblicke und vor allem tolle Luftbildaufnamen könnt ihr euch hier ansehen.

Reykjanes mit Kindern erkunden - Islands spannende Lavahalbinsel im Südwesten - mittelatlantischer Graben bei der Brücke über die Kontinente
Blick in den Graben des mittelatlantischen Rückens wo die Kontinentalplatten auseinanderdriften

Vulkanismus zum Anfassen

Fast achthundert Jahre lang war es auf Reykjanes vulkanisch still. Im März 2021 brach diese Ruhe, seitdem befindet sich die Region in einer neuen, mehrjährigen aktiven Phase. Seit Dezember 2023 kam es in der Gegend um Grindavík zu einer ganzen Serie von Ausbrüchen, mit jedem Mal öffneten sich neue Spalten in der Erde, manchmal nur wenige Kilometer vom Ort entfernt

Um die Fischerstadt und das nahegelegene Geothermiekraftwerk Svartsengi wurden kilometerlange Schutzwälle aufgeschüttet, die Lavaströme ablenken sollten. Diese sind noch heute deutlich beim Vorbeifahren am Straßenrand zu erkennen. Bei mehreren Ausbrüchen haben sie tatsächlich gehalten. Trotzdem musste Grindavík immer wieder evakuiert werden und ein Großteil der einstmals rund 4.000 Einwohner ist bis heute nicht zurückgekehrt. Wenn man durch den Ort fährt, spürt man das: Häuser stehen leer, während direkt nebenan das Leben eigentlich weitergehen müsste.

Nirgends in Island ist man der bedrohlichen Kraft des Vulkanismus im Alltag derzeit näher als hier. Die Natur auf Reykjanes zeigt gerade sehr eindrucksvoll, wer die wahren Gestalter von Island sind.

Reykjanes mit Kindern erkunden - Islands spannende Lavahalbinsel im Südwesten - erkaltete Lavaformation von nahem Begutachten
erkaltete Lavaformation zum Anfassen und Bewundern

Die Brücke zwischen zwei Kontinenten

Unser allererstes Abenteuer im Familienurlaub in Island führte uns zu einer Brücke, die auf den ersten Blick enttäuschend unspektakulär wirkt. Die vielen Tagestouristen aus Reykjavík laufen einmal hinüber, machen ihre Fotos und sind wieder weg.

Wer sich etwas mehr Zeit nimmt, sieht in dieser Brücke plötzlich mehr als nur Beton über einem Riss im Lavafeld. Hier verläuft der tektonische Graben des Mittelatlantischen Rückens, an dem sich die Eurasische und die Nordamerikanische Kontinentalplatte jedes Jahr um etwa zwei Zentimeter voneinander entfernen. Kaum vorstellbar, aber nur wenige ozeanische Platten im Pazifik driften schneller auseinander. Kein Wunder, dass das gesamte Gebiet ein einziges Minenfeld aus vulkanischen Kräften ist, die jederzeit wieder aufbrechen können.

Im Graben selbst liegt ein weites Feld aus schwarzem Sand – für unsere Kinder ein Sandkasten in XXL-Format.

Das Areal ist gut zugänglich und der Parkplatz noch kostenlos, wobei sich dieses „noch“ angesichts der Gebühren an anderen Spots auf der Halbinsel Reykjanes vermutlich bald der Vergangenheit angehört. Infrastruktur wie Toiletten oder einen Kiosk sucht man vergeblich und auch der Aufenthalt ist verhältnismäßig kurzweilig. Als Zwischenstopp auf dem Weg über die Halbinsel lohnt er sich trotzdem, besonders für alle, die Plattentektonik genauso faszinierend finden wie wir.


Kleine Wanderung zum Lavafeld

Habt ihr schon mal echte Lava berührt? Klingt im ersten Moment fast banal. Und ist trotzdem ein Highlight, sobald man sich klarmacht, dass das, was da unter den Fingern liegt, vor kurzer Zeit noch glühend aus der Erde kam.

Wir parkten am Volcano Skali Parking P2, einem aus Lavasteinen bestehendem Parkplatz und idealem Ausgangspunkt für Wandertouren. Die Tafel dort zeigt die verschiedenen Optionen. Wir entschieden uns für den kürzesten Weg, der bis an die Ausläufer des erstarrten Lavastroms führt, ohne Sicht auf den Krater selbst.

Wer mehr Zeit mitbringt, kann stattdessen einen der beiden anderen markierten Wanderwege wählen. Diese führen jeweils rund 9,5 Kilometer (einfache Strecke) deutlich tiefer ins Lavafeld hinein und bieten fantastische Ausblicke auf die Vulkankrater selbst.

Reykjanes mit Kindern erkunden - Islands spannende Lavahalbinsel im Südwesten - eindrucksvolles Naturschauspiel, auch wenn die LAva schon kalt ist
Vor kurzer Zeit waren die schwarzen Striche kochenheiße Lavaströme

Faszinierend fanden wir, welche unterschiedlichen Formen die Lava beim Erkalten angenommen hatte. Hohlräume neben Zylindern, kleine Krater zwischen den großen Steinen und dazwischen immer wieder Plattformen, die schon teilweise eingebrochen waren.

Generell darf man in Island übrigens auf keinen Fall die Lavafelder betreten – das ist gesetzlich verboten. Zum einen soll so das empfindliche Moos geschützt werden, das Jahrzehnte braucht, um auf dem neuen Gestein zu wachsen. Auf der anderen Seite kann das Betreten lebensgefährlich sein. Unter der erstarrten und sehr scharfkantigen Oberfläche können sich Röhren mit noch immer mehrere hundert Grad heißer Lava verbergen. Bricht der Boden dort ein, drohen schwere Verletzungen.


Lavahöhle Leiðarendi – Ausflug ins Innere der Erde

Etwas weiter östlich liegt die Lavahöhle Leiðarendi, genauer gesagt sind es sogar zwei Höhlen, die im Abstand von 1.000 Jahren entstanden sind. Und ganz eigentlich handelt es sich auch nicht um eine Höhle im klassischen Sinn, sondern um eine Lavaröhre mit ein paar versteckten Kammern. Wie dem auch sei – spannend ist ein Besuch allemal!

Dieser Moment gehört bis heute zu unseren liebsten Erinnerungen an Island mit Kindern.

Der große Eingangsbereich reichte uns mit den Kindern vollkommen aus. Schon dort spürten wir die veränderte Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Von der Decke tropft es und Stalagtiten bildeten die unterschiedlichsten Formationen. Kaum jemand war zu dem Zeitpunkt dort. Am Ende der Höhle verschluckte die Dunkelheit das Tageslicht und im Schein unserer Taschenlampe mit UV-Licht entdeckten wir Gestein, das durch die enthaltenen Mineralien in Grün, Gelb und Rot leuchtete.

Wer tiefer in die Höhle vordringen möchte, sollte das ausschließlich mit Guide tun. Passend dafür gibt es geführte Touren. Von einer Tour durch die Höhle im Alleingang raten wir – vor allem mit Kindern – dringend ab. Ein Blick auf die Bewertungen bei Google und die teils wilden Geschichten von verirrten Hobbyhöhlenforschern reichten uns als abschreckendes Beispiel.


Dampfende Erde – die Seltún Geothermal Area

Seltún liegt im Gebiet Krýsuvík, mitten in der Spaltenzone des Mittelatlantischen Rückens, genau dort, wo die Erde schon an der Brücke über die Kontinente auseinanderdriftet. Diese geologische Unruhe ist der Grund, warum hier überall die Erde dampft.

Über Holzstege führt der Weg an brodelnden Schlammlöchern und zischenden Dampfquellen vorbei. Der Boden schimmert in Gelb-, Rot-, Grau- und Blautönen, das Gelb stammt vom Schwefel, der hier früher sogar abgebaut wurde. Zwei Aussichtsplattformen geben den Blick über das gesamte Farbenspiel frei.

Für unsere Kinder war vor allem eines unvergesslich: der Geruch. Der Schwefelgestank war ihnen so zuwider, dass sie kehrtmachten und direkt zurück zum Van liefen. Mein Mann und ich sind noch etwas weitergelaufen und haben dort viele Besucher beobachtet, die immer wieder die Wege für ein schönes Foto verließen. Ob das angesichts der Dampfexplosionen, zu denen es an einem der alten Bohrlöcher hier in der Vergangenheit mehrfach kam, eine gute Idee ist, wage ich zu bezweifeln.


Warum wir die Blaue Lagune mit Kindern nicht besucht haben

Was ihr ebenfalls auf der Halbinsel Reykjanes findet und was vermutlich der Hauptgrund ist, warum die meisten Touristen in diese Region reisen, ist die Blaue Lagune. Sie liegt mitten im vulkanischen Gebiet keinen Steinwurf von Grindavík entfernt und direkt neben dem Geothermiekraftwerk Svartsengi, das schon in der Vulkangeschichte weiter oben eine Rolle spielte. Trotzdem haben wir sie uns geschenkt.

Dabei handelt es sich um eine ca. 38°C heiße Quelle, deren Wasser eine milchig-blaue Farbe hat. Es enthält wahnsinnig viel Silicium und Mineralien, die der Haut gutttun sollen.

Der Preis war uns die Sache nicht wert, dazu kam der ganze Hype um den Ort. Und ehrlich gesagt konnten wir uns einen Spa-Besuch mit den Kindern auch einfach nicht entspannt vorstellen. Außerdem gibt es in der Blauen Lagune eine Schwimmflügel-Pflicht für alle Kinder bis 8 Jahren. Ich muss gerade lachen beim Gedanken, mit meiner Tochter zu diskutieren, dass sie welche anziehen MUSS, obwohl sie sicher schwimmen kann… Definitiv kein Pluspunkt für den Urlaubsfrieden.

Also waren wir viel lieber in den normalen isländischen Schwimmbädern unterwegs, ganz ohne Anspruch auf Instagram-Tauglichkeit, dafür mit viel echtem Alltag der Isländer.


Warum sich Reykjanes mit Kindern absolut lohnt

Reykjanes mit Kindern zu erleben, war für uns ein direkter Sprung hinein in die Kräfte, die diese Insel geformt haben und immer noch formen. Wir haben Lava berührt, sind über einen Graben gelaufen, in dem sich zwei Kontinente auseinanderbewegen und haben Höhlen und dampfende Erde entdeckt, an denen die meisten in ihrem Urlaub in Island einfach vorbeifahren.

Wenn ich heute an diese erste Zeit unseres Urlaubs denke, beeindruckt mich noch immer, wie unterschiedlich diese wenigen Tage waren im Vergleich zu allem, was danach kam. Reykjanes zeigt Island von einer sehr urtümlichen und kargen Seite, bevor die grünen Täler und Wasserfälle Südislands übernehmen. Genau deshalb würde ich niemandem raten, diese Halbinsel nur auf dem Weg zum Flughafen abzuhaken. Nehmt euch die Zeit – sie ist der Auftakt, der euch den Rest der Reise erst richtig einordnen lässt.

Reykjanes mit Kindern erkunden - Islands spannende Lavahalbinsel im Südwesten - mit Moos überwachsene Lavasteine - das darf nicht betreten werden
Imm auf dem Weg bleiben, um das empfindliche Moos nicht zu beschädigen



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4 Kommentare zu „Reykjanes mit Kindern erkunden – Islands spannende Lavahalbinsel im Südwesten“

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