
In den Osterferien waren wir für eine Woche auf Mallorca. Dieses Mal zu sechst mit meinen Eltern in einem Hotel in Santa Ponsa – einer Bucht im Südwesten der Insel, direkt an den südlichen Ausläufern des Tramuntana-Gebirges.
Und am letzten Urlaubstag dachte ich genau zwei Dinge gleichzeitig: 1. Wow, ist das schön hier. Und 2. Wie ich mich freue, morgen Abend wieder zu Hause zu sein. Der letzte Urlaubstag ist für mich fast immer ein besonderer Moment. Während einige vielleicht schon ein bisschen Wehmut spüren oder gar nicht nach Hause wollen, empfinde ich als introvertierte Person eine Mischung aus Dankbarkeit, Ruhe und echter Vorfreude auf Zuhause. Dieses langsame Zurückschwingen in meinen eigenen Raum fühlt sich für mich genauso richtig an wie das Unterwegssein selbst.
Warum Reisen für introvertierte Eltern oft ganz anders funktioniert, habe ich in diesem Artikel ausführlicher beschrieben.
Dass das nicht allen so geht, stellte ich zwei Tage später fest, als ich unter meinem Beitrag auf Instagram lebhaft mit anderen Reisebegeisterten über folgende Frage diskutierte: Ist der letzte Urlaubstag ein Grund zur Freude oder ein Grund zum Weinen? Danach fühlte ich mich ehrlich gesagt ein bisschen wie ein Alien. Denn fast alle schienen sich darüber einig zu sein, dass sie nicht nach Hause wollen.
Ich aber schon.
Und gleichzeitig ist es nicht ganz so einfach.
Genau das hat mich neugierig gemacht. Grund genug für meinen Kopf, sich auf Spurensuche zu begeben und intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Warum der letzte Urlaubstag für mich etwas Besonderes ist
Ich erlebe den letzten Urlaubstag fast immer als besonders intensiv. Vielleicht liegt es am nahenden Abschied, der allen Aktivitäten eine zusätzliche Portion Achtsamkeit verleiht.
Noch ein letztes Mal ans Meer.
Noch einmal den sanften Wind im Gesicht spüren.
Noch einmal die salzige Luft einatmen und das Türkisblau des Wassers bewundern.
Der letzte Tag ist für mich wie ein bewusstes Wiederholen von all dem Schönen, das den Urlaub unvergesslich gemacht hat. Und der Versuch, einen Moment noch einmal festzuhalten, der eigentlich schon dabei ist, weiterzuziehen.
Auf Mallorca wollten die Kinder am letzten Tag unbedingt noch einmal in den Kletterpark. Für sie war es eines der größten Highlights, sich aus fünf Metern Höhe an einem Stahlseil nach unten gleiten zu lassen. Das erfordert Mut – Mut, den sie sich im Laufe des Urlaubs Stück für Stück erarbeitet hatten. Durch Selbstständigkeit am Buffet, durch Badeerlebnisse im Meer und durch Ausflüge, bei denen sie vieles mitbestimmen durften.
Am letzten Urlaubstag nehme ich mir außerdem bewusst Zeit für mich und fürs entspannte Packen. Das ist zum einen eine willkommene Pause vom permanenten Mitteilungsbedürfnis meiner Kinder. Zum anderen liebe ich es, Dinge in Ruhe und strukturiert vorzubereiten. Wenn dann alles seinen Platz findet und sich am Ende stimmig anfühlt, ist das für mich fast schon ein eigener kleiner Abschlussmoment. Vielleicht ist es genau das, was mir den Übergang nach Hause so leicht macht.
Nach dem Urlaub: Warum ich mich auf den Alltag freue
Egal wie lang der Urlaub dauerte und egal wie schön er war, eine Sache ist sicher: Am Urlaubsende bin ich diejenige, die sich auf Zuhause freut. Vielleicht ist da auch ein kleiner Teil in mir, der traurig ist. Aber der ist leise. Wirklich sehr leise. Viel lauter ist die Vorfreude, denn ich freue mich auf mein eigenes Bett, meine eigenen vier Wände, meine persönlichen Rückzugsräume und ja – auch darauf, wieder in den Alltag zurückzukehren.
Das mag zunächst widersprüchlich klingen, denn mein Alltag ist in der Regel voll mit Aufgaben. Gleichzeitig ist er aber auch vorhersehbar, planbar und vertraut. Diese Routinen geben mir Sicherheit und lassen meinen Kopf wieder zur Ruhe kommen. Für introvertierte Menschen wie mich ist das kein Widerspruch zum Reisen, sondern die notwendige Gegenbewegung: Eindrücke sammeln auf Reisen & Eindrücke verarbeiten im Alltag. Beides gehört zusammen.
Was mich dabei im Urlaub eigentlich antreibt – ob Neugier oder doch etwas anderes – habe ich in einem anderen Artikel genauer für mich eingeordnet: FOMO oder Fernweh?
Aber zurück zum Alltag nach dem Urlaub. Denn genau dort passiert für mich etwas Besonderes. Mein Kopf ist voller neuer Eindrücke, voller neuer Inspiration und meine Fantasie schlägt Purzelbäume. Ideen für neue Projekte sprudeln so schnell aus mir heraus, dass ich kaum hinterherkomme, sie aufzuschreiben. Ich liebe diesen Zustand, wenn alles im Fluss ist und sich so lebendig anfühlt. Im Urlaub habe ich selten die Ruhe, mich darin zu vertiefen, auch wenn es diesmal durch das Reisen mit meinen Eltern etwas besser möglich war. Aber die eigentliche Magie entsteht für mich danach. Wenn sich die Gedanken erst in der Stille nach dem Urlaub setzen und sich dann nach und nach entfalten.
Ein weiterer Aspekt, den ich sehr genieße, ist die Nachbereitung. Ich sortiere Fotos, ordne meine Gedanken für Blogartikel und beginne zu schreiben. Ich überarbeite Texte, füge Bilder ein, erstelle Social-Media-Posts. Vielleicht lese ich den Artikel Monate später noch einmal und entwickle ihn weiter. Da sind so viele Berührungspunkte mit den Erinnerungen an einen wundervollen Urlaub, dass ich noch lange im Alltag davon zehren kann.
Und schließlich: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Was gibt es Schöneres, als zwischen Erinnerungen zu schwelgen und dabei vom nächsten Abenteuer zu träumen? Am Ende habe ich jeden Urlaub dreimal erlebt – bei der Planung, beim Erleben und bei der Nachbereitung. Das ist ein Gedanke, der mich sehr glücklich macht. Denn eigentlich verlasse ich am letzten Urlaubstag den Urlaubsort gar nicht wirklich. Ich kehre nur körperlich an einen entspannteren Ort zurück: mein Zuhause.

Was beeinflusst, wie sehr ich mich auf Zuhause freue
Das Bedürfnis, wieder nach Hause zu kommen, ist nicht bei jedem Urlaub gleich stark und hat auch nicht immer die gleichen Gründe.
Bei meiner Soloreise nach Amsterdam war die Sehnsucht nach meinen Kindern so groß, dass ich es am letzten Tag kaum erwarten konnte, sie endlich wieder in die Arme zu schließen. Auf Mallorca war es diesmal eher die Sehnsucht nach Ruhe. Große Hotels kosten mich viel Energie, vor allem wenn sich kein ruhiges Plätzchen finden lässt. Dazu ein Zimmerwechsel nach der ersten schlaflosen Nacht am Fahrstuhlschacht, ein Zimmer zu viert ohne echten Rückzugsraum und eine Erkältung, die ich am liebsten in vertrauter Umgebung auskuriere.
Ganz anders ist es bei Ferienhäusern. Dort fällt es mir deutlich leichter, auch mal länger zu bleiben. Die Sehnsucht nach Zuhause steigt also umgekehrt proportional zu meinem Energiehaushalt. Oder genauer gesagt: zu meiner emotionalen Batterie, die irgendwann schlicht aufgebraucht ist. Auch im ruhigsten Ferienhaus. Denn Familienurlaub ist immer auch Care-Arbeit, nur an einem anderen Ort.
Warum das gerade für introvertierte Eltern schnell anstrengend werden kann, habe ich in einem separaten Artikel einmal ausführlicher beschrieben. Und auch, wie wir unsere Urlaube inzwischen planen, damit alle die Erholung finden, die sie brauchen.
Und vielleicht kommt noch etwas anderes dazu: die Lebensphase, in der ich mich gerade befinde. Es macht einen Unterschied, ob ich gerade mitten in einer intensiven Familienphase stecke, viel Verantwortung trage oder mir im Alltag ohnehin wenig echte Ruheinseln bleiben. Je voller mein Leben gerade ist, desto schneller wird mein innerer Akku leer. Ganz unabhängig von dem Ort, an dem ich mich gerade befinde.
Damit ich eine gute Mutter sein kann, muss ich genau diese Batterie regelmäßig aufladen. Das geht bedingt auch im Urlaub (Stichwort kurze eigenen Ausflüge), funktioniert aber am besten mit ruhigen Tagen im Home Office, ohne viel Sozialkontakt außer ein paar Telefonaten. Vielleicht ist es also gar nicht so sehr der Ort, der entscheidet, wie sehr ich mich auf Zuhause freue. Vielleicht bin ich es selbst.
Warum sich das für mich genau richtig anfühlt
War der Urlaub deshalb schlecht, weil ich den Urlaubsort gern verlasse? Auf keinen Fall. Ich habe ihn geliebt. Von den anstrengenden Reisetagen über die wertvolle Familienzeit bis hin zu all den kleinen und großen Herausforderungen unterwegs. Wir haben wundervolle Erinnerungen geschaffen und ich liebe jede Einzelne davon. Okay, die schlaflose Nacht hätte ich nicht unbedingt gebraucht…
Aber sind es nicht genau diese weniger perfekten Momente, die das Schöne erst richtig sichtbar machen? Würden wir das Besondere überhaupt erkennen, wenn alles immer gleich wäre?
Genau diese Gefühle zeigen mir auch, dass ein Leben permanent auf Reisen nichts für mich wäre. Und ich glaube, den Kindern geht es ähnlich. Meine Tochter zum Beispiel verzieht sich seit unserer Rückkehr in jeder freien Minute in ihr Zimmer, schließt die Tür und verwandelt ihren Schreibtisch in ein Bastelatelier, bei dessen Anblick Marie Kondo augenblicklich in Ohnmacht fallen würde. Auch sie lädt ihre soziale Batterie auf – auf ihre ganz eigene Weise.
Wenn du das komplett anders erlebst – dich der letzte Urlaubstag traurig macht und du am liebsten noch eine Woche dranhängen würdest – dann ist das genauso richtig. Es gibt keine vorgeschriebene Art, den Urlaub emotional zu beenden. Es gibt nur deine. Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich unsere Perspektiven unterscheiden. Nicht darin, wie sehr wir den Urlaub lieben, sondern darin, was wir danach brauchen.
Ich bin die, die sich nach dem Familienurlaub auf ihr Zuhause freut. Die sich freut, ein paar Tage Abstand von ihrer Familie zu bekommen, um wieder auftanken zu können. Und die ihren Kindern vermittelt, dass das nichts mit ihrer Liebe zu ihnen zu tun hat, sondern einzig und allein mit Selbstfürsorge.
Aber am wichtigsten: Ich bin diejenige, die sich deshalb nicht schlecht fühlt. Die manchmal aneckt und auf Unverständnis trifft. Aber auch die, die sich nicht mehr über die Meinung anderer definiert, sondern darüber, was sich für sie richtig anfühlt. Und vielleicht bist du ja auch so jemand.
Wie geht es dir am letzten Urlaubstag? Freust du dich auf Zuhause, oder würdest du am liebsten verlängern?

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