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So treffend hat Goethe es schon in seinem Gedicht „Erinnerung“ geschrieben. Und wie eine Erinnerung kam mir auch unsere kleine Familienwanderung auf die Landeskrone bei Görlitz vor, denn als Kind bin ich mit meinen Großeltern jedes Jahr – meistens im Herbst – den Hausberg hinaufgelaufen. Und jetzt war ich mit meinen eigenen Kindern dort unterwegs.
Es ist erstaunlich, wie manche Orte über die Jahre hinweg ihren Zauber bewahren können. Alles wirkt vertraut und doch entdeckt man neue Details, wenn man ihn mit Erwachsenen-Augen sieht. Manche Ecken sind unverändert, andere haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Und doch erinnert einen das Haltestellenschild auf dem Gipfel noch immer daran, das früher einmal ein kleiner Touristenzug den Berg hochgefahren ist.
Wanderung auf die Landeskrone – Geologie und Geschichte zum Anfassen
Die Landeskrone ist der markante Hausberg der kleinen Stadt Görlitz und geht geologisch auf vulkanische Aktivitäten zurück, die rund 30 bis 35 Millionen Jahre zurückliegen. Damals entstand die Basaltkuppe, die der Landeskrone noch heute ihr typisches Aussehen verleiht. Und auch wenn er schon lange erloschen ist, waren die Kinder trotzdem fasziniert davon, einen „echten“ Vulkan zu besteigen.
Auch geschichtlich hat der Berg einiges erlebt. Bereits im frühen 12. Jahrhundert ließ der böhmische König Přemysl Ottokar I. auf dem Gipfel eine Burg errichten, deren Reste noch heute zu erkennen sind. Über die Jahrhunderte diente die Landeskrone als strategischer Aussichtspunkt – kein Wunder, denn sie ist die einzige bedeutende Erhebung weit und breit. Der Blick reicht an klaren Tagen beeindruckend weit in die Oberlausitz und bis ins benachbarte Polen.
Heute ist die Landeskrone auch für Familien ein beliebtes Ausflugsziel. Mit ihren 420 Metern Höhe ist sie weder schwer zu besteigen noch zeitlich ein großer Aufwand. Eine kleine Wanderung, die Natur, Geschichte und Geologie auf spannende Weise miteinander verbindet. Welches Kind würde schon nicht gern mal auf einem Vulkankrater spielen?
Der Aufstieg zur Landeskrone
Unsere Tour beginnt am Wendedreieck der Straßenbahn, mit der wir gekommen sind. Auch wenn das Görlitzer Straßenbahnnetz nicht besonders groß ist, so bietet sich hier doch die Gelegenheit, mit den alten tschechischen Tatra-Triebwagen bis zum Fuße des Berges zu fahren. Für alle, die nostalgischen Straßenbahnen nichts abgewinnen können, befindet sich direkt daneben auch ein kostenloser Parkplatz.
Gleich zu Beginn wartet das erste kleine Abenteuer: Gemeinsam müssen wir die 178 Stufen der historischen Lindenallee mit ihren knapp 200 Jahre alten Bäumen überwinden. Besonders im Herbst, wenn die vielen Stufen fast vollständig unter einer dicken Schicht Laub verschwinden, ist dieser Aufstieg ein stimmungsvoller Einstieg in die Wanderung. Oben angekommen lohnt sich eine kurze Pause auf der Bank, um zu entscheiden, welchen Weg man nach oben gehen möchte.
Von hier aus führen drei Routen zum Gipfel. Der direkte Weg nach oben ist sehr steil, die Straße angenehm einfach, aber am spannendsten ist der Nordaufstieg rechts der Treppen. Das ist der Weg, den auch wir bei unserer Wanderung gewählt haben, denn er führt zu einem unserer familiären Lieblingsorte auf der Landeskrone: dem Malerwinkel. Ob er wirklich so heißt, ist fraglich, aber innerhalb unserer Familie nennen wir ihn so. Denn auf dem Weg nach oben geht rechts ein schmaler Trampelpfad ab, der zu einer Felsgruppe mir beeindruckender Aussicht führt. Wer weiß: vielleicht hätte Caspar-David-Friedrich nie das Elbsandsteingebirge gemalt, wenn er diesen Ort gekannt hätte. 😉
Dieser Punkt ist nicht ausgeschildert und oft kaum besucht, aber genau deshalb so besonders. Der Blick reicht bis ins Zittauer Gebirge und die Felsen eigenen sich ideal für ein kleines Picknick oder eine kurze Entdeckungspause. Nachdem wir uns gestärkt hatten, gingen wir nur noch ein kurzes Stück weiter, bis wir wieder auf die Straße trafen und schließlich den Gipfel erreichten.
Der Gipfelbereich der Landeskrone
Oben angekommen eröffnet sich ein kleiner Gipfelbereich. Die Landeskrone ist zwar nur 420 Meter hoch, aber gerade das macht sie so familienfreundlich – die Wege sind kurz und übersichtlich und trotzdem fühlt man sich „oben angekommen“. Seit Kurzem gibt es wieder einen Imbiss, der Getränke und kleine Speisen anbieten. Falls ihr also nicht den Rucksack voller Snacks habt, bietet es sich an, hier eine Pause einzulegen.
Ein Höhepunkt des Gipfels ist der Aussichtsturm, der auf keinen Fall ausgelassen werden sollte. Der Rundumblick ist beeindruckend: Görlitz liegt euch zu Füßen, dahinter erstreckt sich die hügelige Landschaft der Oberlausitz. Spätestens hier stellt sich keiner mehr die Frage, warum die „kleine“ Landeskrone über die Jahrhunderte hinweg eine strategische Bedeutung für die Region hatte.
Rückweg über Vulkankrater und Bismarcksäule
Auf dem Weg nach unten solltet ihr den minikleinen Umweg über die Bismarcksäule auf keinen Fall auslassen. Der direkte Weg vom Gipfel führt über den Vulkankrater, der heute mit Gras bedeckt ist. Aber obwohl es eigentlich nur eine Wiese ist, war es für die Kinder doch so viel mehr. Es wurde gestampft, untersucht, gerannt – und schließlich festgestellt, dass „der Vulkankrater eines erloschenen Vulkans ja auch nur normale Erde ist“. Der Vulkan ist dann im Spiel natürlich trotzdem ausgebrochen. Wie gut, dass die Bismarcksäule nicht weit entfernt ist und wir uns vor der Lava in Sicherheit bringen konnten.
Die Bismarcksäule ist für mich auch so ein Ort voller Kindheitserinnerungen. Hier haben wir damals schon Pausen gemacht – zu Zeiten, als der Berzdorfer See nicht mehr als eine kleine Pfütze war. Auf der vom Gipfel abgewandten Seite hatten wir noch einmal eine unglaubliche Aussicht bis ins Nachbarland Polen zu den Bergketten des Iser- und Riesengebirges. Und das, obwohl die Luft bei unserem Ausflug leicht diesig war. Wie atemberaubend wird es wohl bei klarer Sicht aussehen?
Von der Bismarcksäule aus geht es wieder zurück auf den Hauptweg, der als breite Straße talabwärts führt. Unterwegs passieren wir die Pfaffendorfer Aussicht und eine besonders beindruckende Stelle mit freistehenden Basaltsäulen. Hier ist die vulkanische Vergangenheit der Landeskrone besonders gut zu erkennen. Auch eine Informationstafel erklärt, wie diese typischen Formationen entstanden sind.
Auf Wunsch der Kinder, die noch einmal die Stufen zählen wollten, gingen wir die historische Lindenallee wieder nach unten bis zum Parkplatz. Überraschung – es waren genau 178. Alternativ könnt ihr euch auch etwas links von den Stufen halten und die alte Rodelbahn nach unten laufen. Oder rodeln, wenn Schnee liegt.
Praktische Infos für Familien
- Anreise: Straßenbahn Linie 2 bis Endhaltestelle Biesnitz / Landeskrone oder mit dem Auto
- Weglänge: ca. 3,6 Kilometer
- Dauer: ca. 2 Stunden inklusive Pausen
- Schwierigkeit: leicht – gut geeignet auch für Familien mit kleinen Kindern
- Beste Zeit für die Wanderung: ganzjährig gut machbar; besonders schön im Herbst und an klaren Frühlingstagen
- Verpflegung: Imbiss auf dem Gipfel; asiatisches Restaurant am Fuß der Landeskrone
- Wegbeschaffenheit: Kinderwagenfreundlich, wenn ihr die Treppen meidet und auf der Straße bleibt; für die spannenderen Pfade und den Malerwinkel empfiehlt sich eine Trage
- Besondere Highlights für Kinder: Vulkanvergangenheit, Klettern auf der Bismarcksäule, Aussichtspunkte
- Toiletten: am Gipfel-Imbiss (aber nur, wenn ihr dort auch etwas kauft)
Fazit: Von Kindheitserinnerungen zu neuen Abenteuern
Die Landeskrone ist vielleicht kein hoher Berg, aber für mich ist sie ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart auf ganz eigene Weise miteinander verbinden. Die Wege sind kurz, die Eindrücke dafür umso größer – denn unterwegs gibt es für die ganze Familie immer etwas zu entdecken. Genau das macht die Wanderung so besonders.
Mit Pausen hat unsere Tour ab Straßenbahnhaltestelle etwa zwei Stunden gedauert. Damit passt die Wanderung perfekt in einen halben Tag und lässt genug Raum für weitre Unternehmungen. Wer danach (oder davor) noch Zeit hat, kann wunderbar durch die Altstadt von Görlitz bummeln oder einen Abstecher zum Berzdorfer See machen. Besonders bei schönem Wetter lohnt sich von Mitte April und Anfang November der Kletterpark und die Minigolfanlage an der blauen Lagune.
Für mich war dieser Ausflug eine kleine Reise zurück in die eigene Kindheit. Es hat mir unglaublich viel Freude bereitet, die Erinnerungen nun gemeinsam mit meinen Kindern neu erleben zu können. Habt ihr auch einen Lieblingsort aus eurer Kindheit, den ihr immer wieder besucht?













Liebe Lisa,
eine richtig schöne Familienwanderung! Eure Beschreibung der Landeskrone mit den unterschiedlichen Wegen, den Pausen unterwegs und dem Highlight oben mit Aussichtsturm und Einkehr macht richtig Lust, mit Kindern oder ohne selbst loszuziehen. Besonders gut gefällt mir, wie ehrlich ihr auf die Steigungen, die Gehzeit und die Motivation der Kinder eingeht – so kann man die Tour super realistisch einschätzen.
Die Mischung aus Natur, Ausblick auf Görlitz und kleinen Erkundungsmomenten am Weg wirkt wie ein ideales Mikroabenteuer für die Wochenenden.
Offensichtlich hatten alle Spaß, Mikroabenteuer sind aber auch wirklich willkommene Abwechslungen.
Liebe Grüße, Katja
Hallo Katja. Vielen Dank für deine lieben Worte. Es war wirklich für alle ein ganz tolles Erlebnis.
Liebe Grüße, Lisa
Zuerstmal: Wie schön, dass der Beitrag mit einem Zitat von Goethe startete! Ich mag diesen Dichter nämlich sehr gern! Und zweitens: Ich merke gerade, in was für einer landschaftlich langweiligen Ecke ich lebe! Kein Vulkan hier unter mir, kein größerer Berg! Nur ein kleiner Hügel, den ich früher mit dem Schlitten runtergefahren bin und der heute für alle abgesperrt ist! Dass er spielerisch doch noch ausgebrochen ist, fand ich mega! Das hat bestimmt Adrenalin ausgelöst!
Liebe Grüße
Jana
Hallo Jana.
Ich glaube als Kind fand ich es gar nicht sooo spannend, aber es ist ja immer auch eine Frage, wie man es präsentiert 😀 Wir haben uns jedenfalls alle schnell gerettet und konnten so dem Lavastrom entkommen.
Liebe Grüße, Lisa
Liebe Lisa,
Auf der Landeskrone war ich auch schon. Der Ausblick von der Bismarcksäule bis ins Riesengebirge ist mir ebenfalls in Erinnerung geblieben, gerade bei klarer Sicht ist er beeindruckend. Dein Fazit, dass sich Vergangenheit und Gegenwart hier verbinden, trifft es perfekt. Danke, dass du mir wieder in Erinnerung gerufen hast, wie schön die Gegend um Görlitz ist.
Ich vermisse meine Heimat manchmal sehr.
Liebe Grüße
Mo
Liebe Mo,
es freut mich, dass ich da einige Erinnerungen in dir Wachrufen konnte. Vielleicht kommst du bald mal wieder vorbei, um das Heimweh zu stillen. 🙂
Viele Grüße, Lisa
Hallo,
dein Beitrag liest sich wie eine kleine Zeitreise – ruhig, warm und voller liebevoller Details. Besonders schön finde ich den Gedanken, denselben Weg erst als Kind und nun mit den eigenen Kindern zu gehen. Dieses Weitergeben von Erinnerungen macht die Wanderung auf die Landeskrone zu etwas viel Größerem als nur einem Ausflug. Die Verbindung aus persönlicher Geschichte, Geologie und regionaler Historie ist dir wunderbar gelungen und wirkt nie belehrend, sondern ganz natürlich erzählt. Auch der „Malerwinkel“ und der spielerische Vulkanmoment zeigen, wie leicht sich Wissen und Familienzeit verbinden lassen.
Ein sehr stimmungsvoller Bericht, der Lust macht, selbst loszulaufen und vertraute Orte mit neuen Augen zu sehen.
Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und viele weitere solcher gemeinsam gesammelten Erinnerungen.
Herzliche Grüße.
Saskia
Liebe Saskia,
ich danke dir von Herzen für deinen liebevollen Kommentar. Es berührt mich immer sehr, wenn ich mit meinen Erzählungen Menschen erreiche.
Viele Grüße, Lisa
Liebe Lisa,
Wie schön, dass du dich auch für Orte vor deiner Haustür begeistern kannst, die du schon kennst. Ich kann es voll nachvollziehen, dass es einfach Orte gibt, die jenen Zauber bewahren – vom Kindesalter bis ins Erwachsenenalter. Von der Landeskrone hab ich noch nie gehört, aber es klingt nach einem schönen und auch gut machbaren Ausflug für die Familie. Schön auch den Hinweis zu Kinderwagen bzw Trage, wenn man die coolsten Spots sehen will.
Liebe Grüße von Miriam
Liebe Miriam,
wir unternehmen tatsächlich gern Ausflüge auch mal (fast) direkt vor der Haustür. Deutschland hat auch ein paar wundervolle Ecken zu bieten und solche kleinen Unternehmungen verkürzen uns die Zeit bis zur nächsten aufregenden Reise. 🙂
Viele Grüße, Lisa
Hi Lisa, auch wenn ich keine Kinder habe kann ich dein Erlebnis sehr gut nachvollziehen. Ich war als Kind häufig mit meinen Eltern im Harz und als ich vor zwei Jahren mit meiner Freundin an einem Wanderevent im Harz teilgenommen habe sind wir teilweise die Wege gegangen die ich früher mit meinen Eltern gewandert bin. Eur Familienausflug gefällt mir und auch wenn du an manchen Orten nicht weißt wie diese eigentlich heißen konnte man sich gut in euren Ausflug hinein versetzen.
LG
Stephan
Lieber Stephan,
vielen Dank für deinen Kommentar. Ich mag diese Orte, für die man als Familie manchmal ganz eigene Begriffe erfindet. Vielleicht weil man den richtigen Namen nicht weiß, oder weil man sich den richtigen Namen schlecht merken kann.
Ich freue mich, dass du die Wanderung im Harz mit deiner Freundin wiederholen konntest. Das war bestimmt ein ganz zauberhaftes Erlebnis. 🙂
Viele Grüße, Lisa