Jetzt, wo die Tage wieder kühler werden und die Sonne sich früh verabschiedet, ist der perfekte Zeitpunkt, um mich gedanklich noch einmal zurück in unseren Sommerurlaub zu träumen. Wir waren nicht nur in Paris und haben an der Opalküste gebadet, sondern ich habe auch zwei wundervolle kleine Wanderungen unternommen – zum Cap Blanc-Nez und zum Cap Gris-Nez, der malerischen „Gegend der zwei Kaps“.
Mit beiden möchte ich euch jetzt, zum Beginn des Winters, ein wenig Wärme und Sonnenschein schicken. Und obwohl ich die Wege allein gelaufen bin, eignen sie sich wunderbar für Familien. Aber wenn die Kinder lieber im Sand spielen, nehme ich solche Momente auch gern als ruhige Auszeit für mich allein.
Beginnen werde ich mit der Wanderung zum Cap Blanc-Nez. Das hat es mir tatsächlich schon lange vor dem eigentlichen Urlaub angetan. Zur Einstimmung auf kommende Urlaube nutze ich gern ein Foto des Reiseziels als Hintergrund auf meinem Arbeitslaptop. Und so begrüßte mich die weiße Steilküste vom Cap Blanc-Nez bereits Wochen vor der Abfahrt nach Frankreich. Der Name bedeutet übrigens wörtlich „Weißes Nasen-Kap“ – ein hübsches Bild, das zur Form der hellen Landzunge passt.
Anreise – So kommt ihr zum Cap Blanc-Nez
Das Cap Blanc-Nez lässt sich auf mehreren Wegen bequem erreichen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann zwischen zwei kostenlosen Parkplätzen wählen. Besonders schön ist der Parkplatz in Escalles, von dem aus man zunächst den Strand erreicht. Anschließend geht es über einen steilen zwei Kilometer langen, landschaftlich dafür sehr reizvollen Aufstieg zum Aussichtspunkt. Wer es etwas bequemer mag oder mit dem Kinderwagen unterwegs ist, wählt den offiziellen Parkplatz weiter oben an der Straße Richtung Calais. Von dort führt ein kurzer befestigter Weg von etwas 500 Metern direkt nach oben.
Auch ohne Auto ist das Cap Blanc-Nez gut erreichbar: Von Calais fährt die reguläre Buslinie 5 kostenlos bis zum oberen Parkplatz. Die Fahrt von etwas einer halben Stunde lohnt sich vor allem in der Saison von April bis Oktober, wenn die Strecke als „Küstenlinie“ von Div’in mit Panorama-Doppeldeckerbussen betrieben wird. Da wird sogar die Anfahrt schon zum Erlebnis.
Alternativ könnt ihr die Gegend auch mit dem Fahrrad erkunden. Die Küstenwege sind mal mehr, mal weniger gut für Fahrräder ausgebaut, bieten aber überall tolle Ausblicke.
Warum eine Wanderung am Cap Blanc-Nez perfekt für Familien ist
Die Wanderung zum Cap Blanc-Nez ist einer dieser Ausflüge, die für alle funktionieren – egal ob ihr allein, mit kleinen Kindern oder Teenagern unterwegs seid. Bei der Kombination aus beeindruckender Natur, kleinen Entdeckungsmomenten und geschichtlichem Hintergrund finden hier praktisch alle etwas, das sie begeistern kann.
Grandiose Landschaft und endlose Weite
Die Gegend ist landschaftlich wunderschön. Punkt. Allein deshalb lohnt sich auf jeden Fall ein Ausflug dorthin. Vom Strand aus leuchtet die französische Steilküste und je weiter man den Hang hinaufsteigt, desto weiter öffnet sich auch das Panorama. Am Aussichtspunkt angekommen könnt ihr bei guter Sicht bis zu den englischen Kreidefelsen von Dover sehen. Rund 500 Schiffe passieren täglich den Ärmelkanal – ein faszinierendes Schauspiel, dem man von oben stundenlang zusehen könnte. Auch die Bucht von Wissant und das Cap Gris-Nez mit dem Leuchtturm sind in der Ferne gut zu erkennen.
Die Lichtstimmung ändert sich ständig und jeder Schritt bietet neue Perspektiven. Schon tagsüber funkelt das Meer in unzähligen Farben, deshalb bin ich mir sicher, dass sich am Cap Blanc-Nez auch stimmungsvolle Sonnenuntergänge genießen lassen.
Die Natur hautnah erleben
Die Region ist nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern auch ein wunderbar vielfältiger Lebensraum. So könnt ihr bei eurer kleinen Wanderung, aber auch in Verbindung mit einem Besuch am Strand die verschiedensten Tiere und Pflanzen bestaunen. Denn die Küste steckt voller kleiner Naturwunder: leuchtender Sanddorn, summende Wildbienen, flatternde Schmetterlinge und Wiesen, die je nach Jahreszeit in den unterschiedlichsten Farben erstrahlen. Am Strand lassen sich Vögel beobachten, die jede kleine Spalte oder Höhle im Felsen für den Nestbau nutzen.
Auch die Felsen selbst sind ein spannendes Geologie-Erlebnis. Mit ihren Rissen, Schichten und Erosionsformen erzählen sie viele spannende Geschichten, wodurch gerade mit Kindern die Natur hier schnell zu einem eigenen Erlebnisraum wird.
Geschichte zum Anfassen
Die gesamte Opalküste trägt sichtbare Spuren ihrer bewegten Geschichte. Gerade an außergewöhnlich gut einsehbaren Punkten wie dem Cap Blanc-Nez wird schnell klar, warum diese Region über Jahrzehnte hinweg eine so große strategische Bedeutung hatte. Ihr findet mehrere Überreste aus beiden Weltkriegen: Bunker, alte Stellungen, versteckte Betonreste oder die klar erkennbaren Krater erinnern noch heute als stumme Zeitzeugen an die Vergangenheit. Für Familien ist das eine spannende Gelegenheit, Geschichte auf ganz natürliche Weise erlebbar zu machen.
Auf dem Gipfel des Cap Blanc-Nez steht ein Gedenkobelisk zu Ehren der Dover Patrol, einer britischen Marineeinheit, die im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle am Ärmelkanal spielte. Auch wenn der Originalobelisk im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, erinnert heute der neu errichtete an die enge Verbindung zwischen der französischen und britischen Küste.
Ein weiterer besonders eindrücklicher Teil der regionalen Geschichte ist die Batterie Lindemann, die südlich von Calais nahe Sangatte lag. Sie war im Zweiten Weltkrieg eine der mächtigsten deutschen Küstenbatterien am Ärmelkanal. Heute ist der Großteil unter der Wasseroberfläche eines künstlichen Sees verborgen, der beim Bau des Eurotunnels entstand.
| Blick Richtung Calais und Sangatte mit künstlich angelegtem See am Horizont |
Wander- und Erlebnisfaktor
Der Ausflug zum Cap Blanc-Nez lässt sich wunderbar an die individuellen Bedürfnisse aller Reisenden anpassen. Je nachdem, wie viel Zeit, Energie und Lust auf Entdeckungen ihr mitbringt, könnt ihr den Startpunkt frei wählen. Beginnt ihr unten am Strand von Escalles, erwartet euch ein etwas längerer, aber unglaublich abwechslungsreicher Weg. Hier werdet ihr mit schönen Fotomotiven, bunten Wiesen und immer wieder neuen Blicken auf das Meer für den Aufstieg belohnt. Dieser Abschnitt ist perfekt, wenn ihr den Ausflug als kleines Abenteuer gestalten wollt.
Wer es lieber entspannt angeht, oder mit dem Kinderwagen unterwegs ist, startet am oberen Parkplatz. Der Weg ist kürzer, befestigt und gut zugänglich. Oben angekommen warten verschiedene Informationstafeln zu Geschichte, Tierwelt, Pflanzen und Schiffsverkehr darauf, von euch entdeckt zu werden. So wird der Besuch auch mit neugierigen Kindern nicht langweilig.
Wenn das Wetter passt, solltet ihr unbedingt einen Abstecher zum Strand einplanen. Hier könnt ihr wunderbar im Sand buddeln, Baden gehen, Steine sammeln, Drachen steigen lassen oder einfach nur das Spiel der Gezeiten beobachten. Bei Flut schlägt das Meer an die Felsen, aber bei Ebbe wird der Strand weit und lädt zum Erkunden ein. Dadurch wird aus einer kurzen Wanderung schnell ein vielfältiger Familienausflug.
Praktische Tipps für Familien
- Startet in der Hauptsaison lieber früh oder recht spät. Auch wenn noch genug Platz zum Wandern war, war der Weg vom Strand hoch zum Cap Blanc-Nez doch ziemlich voll. Wir haben zum Teil auch Reisebusse gesehen, die in der Nähe gehalten haben.
- Ein Picknick einplanen. Unsere Kinder lieben es zu picknicken – und wo lässt sich das besser machen, als auf einem Felsen (oder Bunker) mitten in der Natur mit Aussicht?
- Kindertrage statt Kinderwagen, wenn ihr den etwas längeren Weg vom Strand nach oben nehmen wollt. Der Weg ist durch Steine und Treppen absolut ungeeignet für den Kinderwagen. Wenn ihr nicht darauf verzichten wollt / könnt, wählt den kürzeren Weg vom Parkplatz Cap Blanc-Nez.
- Im Sommer sind eine Kopfbedeckung und Sonnencreme Pflicht. Der gesamte Weg liegt in der Sonne, ohne die Möglichkeit zwischendurch in den Schatten zu kommen. Ein weiterer Grund den Besuch im Sommer auf die Randzeiten zu legen.
- Kinder motivieren mit Etappenzielen. Gerade der Beginn hat es ordentlich in sich, da hilft es regelmäßig Pausen zu machen – zum Beispiel um wunderbare Erinnerungsfotos zu machen.
- Bringt euch ein bisschen Zeit mit. Die Strecke ist mit etwas über 2 Kilometern (einfache Richtung) nicht sonderlich lang, aber gerade oben am Aussichtspunkt gibt es viel zu sehen und zu entdecken. Auch der Strand lohnt sich absolut für einen Besuch.
- Das Fernglas nicht vergessen. Damit lassen sich weit entfernte Schiffe, die englische Küste oder Vögel im Felsen besonders gut beobachten.
Fazit: Ein Ausflug, der Ruhe und Abenteuer verbindet
Für mich war die Wanderung zum Cap Blanc-Nez ein richtig schöner Ausflug, der mir gezeigt hat, wie unkompliziert und vielseitig die Opalküste sein kann. Egal, ob ihr wie ich allein unterwegs seid oder die ganze Familie mitnehmt – der Weg bietet immer etwas, das Freude macht. Zwischen dem glitzernden Meer und den beeindruckenden Kreidefelsen lässt sich die Schönheit dieser Küstenregion in vollen Zügen genießen. Gleichzeitig macht der geschichtliche Aspekt den Ausflug spannend und lehrreich.
Besonders schön ist, dass sich die Tour so gut an das eigene Tempo anpassen lässt. Habt ihr Lust auf ein bisschen Abenteuer, startet ihr unten am Strand. Wollt ihr es gemütlicher oder seid mit dem Kinderwagen unterwegs, nehmt ihr den kürzeren Weg vom oberen Parkplatz. Am Ende wartet in beiden Fällen derselbe lohnende Ausblick.
Für uns gehört das Cap Blanc-Nez inzwischen fest zu den Orten, die wir gerne weiterempfehlen. Nicht spektakulär im Sinne von laut oder actionreich, sondern auf eine sehr ruhige Art ganz besonders.
Falls ihr Lust habt, noch ein bisschen tiefer in die Region einzutauchen, haben wir auch unsere liebsten Strände an der Opalküste zusammengestellt. Und wer noch einen kleinen Städtetrip einbauen möchte, findet in unserem Bericht über den Tagesausflug nach Calais ein paar Anregungen, was man dort ein paar Stunden alles entdecken kann.
Wart ihr eigentlich schon einmal in Frankreich unterwegs? Und wenn ja – was hat euch mehr begeistert: die raue Nordküste oder das gemütlich-warme Mittelmeer im Süden? Schreibt es gern in die Kommentare.






Hallo Lisa, Ja die Opalküste lohnt. Waren selber auf unserer Elternzeit Reise vor drei Jahren vor Ort. Haben Eimerweise Muscheln sammeln dürfen. Also falls Bedarf besteht, ich kann Dir einige zusenden. Mike
Hallo Mike. Meine Tochter sammelt selbst unheimlich gern Steine und Muscheln. Wir sind also mit unseren eigenen Eimern versorgt. 😉 Liebe Grüße, Lisa
Wow, vielen Dank für diese Tipps, wir waren noch nie da, aber es macht echt Lust darauf, die Gegend mit Kindern zu erkunden!
Liebe Kati, ja das können wir nur bestätigen. Es ist so viel Platz überall, dass sich die Kinder absolut frei ausleben können. Wir würden dort auch jederzeit wieder hinfahren. Viele Grüße, Lisa
Liebe Lisa,
dein Bericht weckt sofort mein Fernweh und macht mir direkt Lust, selbst mit der Familie loszuziehen. Ich war zwar schon in Frankreich, aber nicht in Küstennähe und habe daran auch leider keine guten Erinnerungen. Da wäre es schon mal schön, sie durch bessere zu ersetzen. Die Kombination aus Natur, Geschichte und Strand wäre dabei genau das richtige für uns.
Vielleicht klappt das ja im nächsten Jahr bei uns.
Liebe Grüße
Mo
Liebe Mo, vielen Dank für deinen Kommentar. Dann wünsche ich dir, dass du bald schöne Reiseerinnerungen von Frankreich schaffen kannst. Es ist ein unglaublich vielseitiges Land und hat einiges zu bieten.
Viele Grüße, Lisa
Liebe Lisa,
bei deinem Artikel werden wunderschöne Erinnerungen an unseren Sommerurlaub wach. Das erste Mal hat mit Frankreich gelockt und so ging es auch an die Opalküste.
Sand, Meer und Weite sicher für alle Zwerge ein Highlight, doch auch für Erwachsene ist die Region ein Traum. Wandern und mit allen Sinnen genießen, klappt hier perfekt.
Danke für die kurze Traumreise.
Liebe Grüße und eine schöne Weihnachtszeit, die Auszeitgeniesser 🙂
Vielen Dank für eure Worte. 🙂 Ich freue mich, wenn ich euch noch einmal mit in diese unglaublich schöne Region nehmen konnte.
Ich wünsche euch auch ein besinnliches Weihnachtsfest. Liebe Grüße, Lisa
Danke für deinen tollen Bericht, der mir tatsächlich etwas Sommerlaune gemacht hat mit den schönen Bildern von Strand und Natur! Das klingt nach einem richtig tollen Ausflugsziel für Familien, der lange in Erinnerung bleibt. Mit der Kombination aus Natur, Strand und Geschichte ist für jedes Familienmitglied sicherlich was interessantes dabei. Ich lese mir gleich mal deine anderen Reiseberichte zu Frankreich und der Opalküste durch. Das wäre ja tatsächlich was für unseren nächsten Familienurlaub. Da brauchen wir nämlich noch ganz viele Ideen und Inspiration wohin es gehen soll.
Liebe Grüße, Diana
Hallo Diana, vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, das kenne ich – ich lasse mich auch immer unglaublich gern von solchen Reiseberichten inspirieren. 🙂 Für einen Familienurlaub kann ich die Opalküste auf jeden Fall empfehlen. Trotz Ferienzeit war es unglaublich ruhig dort und die Strände sind sooo breit bei Ebbe, dass wirklich viel Platz zum Spielen und Toben ist.
Liebe Grüße, Lisa
Liebe Lisa, danke für deinen tollen Bericht über die Wanderung am Cap Blanc-Nez! Ich war tatsächlich schon zweimal in der Nähe dieser Küste – allerdings nur auf der Weiterfahrt nach England – und habe dabei wahrscheinlich echt etwas verpasst. Deine Fotos und Beschreibungen machen Lust, die Gegend bei einer ausgedehnten Wanderung mal richtig zu erleben.
Liebe Grüße
Jana
Liebe Jana, beim nächsten Mal kannst du dir vor der Überfahrt nach England noch ein paar Tage ZEit in Frankreich nehmen. Die Opalküste hat viel zu bieten. 🙂
Viele Grüße, Lisa