
Wisst ihr, was dabei herauskommt, wenn man versucht eine kleine Familienwanderung im Winter mit einem Kind zu unternehmen, das keine Lust hat? Also gar keine Lust. Absolut überhaupt keine Lust. Richtig: kalte Füße. Und schlechte Laune. Vor allem dann, wenn man irgendwann selbst keine Energie mehr hat, ständig zu motivieren und immer wieder stehen zu bleiben.
So war es bei unserer kleinen Wanderung auf den Hochstein in den Königshainer Bergen am 31. Dezember. Silvester stand vor der Tür und wir wollten uns das Warten auf das lange Wachbleiben verkürzen. Die Bedingungen waren perfekt. Der Schnee, auf den wir den ganzen Dezember gewartet hatten, rieselte leise vom Himmel. Fast so, als hätte der Winter sich am letzten Tag des Jahres doch noch daran erinnert, dass es seine Aufgabe ist, ab und zu Schnee zu liefern.
Und doch lief der Vormittag nicht ganz so wie erwartet und die Motivation war spätestens auf dem Weg zum Gipfel im Keller. Dabei hat eine Familienwanderung in den Königshainer Bergen eigentlich alles, was das Kinderherz höher schlagen lässt: Abwechslungsreiche Wege, alte Technik zum Erforschen, riesige Steinbrüche zum Bestaunen und kinderfreundliche Erlebnispfade mit spannenden Infos über den Wald und seine Bewohner. Erst als aus dem leisen Rieseln ein halber Schneesturm wurde, war meine Tochter plötzlich in ihrem Element.
Start der Wanderung in den Königshainer Bergen
Aber lasst uns am Anfang beginnen. Wir starteten unsere kleine Runde am Hauptparkplatz des Hochsteins, der bei Google Maps passenderweise als Wanderparkplatz betitelt wird. Von hier aus habt ihr mehrere Optionen. Entweder ihr folgt der Straße nach oben, oder ihr nehmt den kleinen Waldweg, der vom Parkplatz abzweigt, oder ihr macht euch zunächst auf den Weg zum Granitabbaumuseum. Für Letzteres müsst ihr ein Stück zurück, am Bahnhof vorbei und dann wieder links abbiegen. Dort lauft ihr den Weg nach oben, den früher die abgebauten Steine nach unten genommen haben.

Wir entschieden uns für den Wildschweinweg, denn wir wollten vor der Runde über die Steinbrüche zunächst bis ganz nach oben. Das war das anstrengendste Stück der ganzen Wanderung. Nicht, weil es besonders steil oder lang gewesen wäre, sondern weil meine Tochter gefühlt in Kaffeebohnen-Geschwindigkeit den Berg hinaufging. Auch die Erklärtafeln konnten sie nur bedingt begeistern und auch die Aussicht auf einen Schokoladen-Weihnachtsmann am Gipfel sorgte nicht für den erhofften Motivationsschub.
Dabei ist sie eigentlich eine kleine Entdeckerin, die im Wald jedes Steinchen umdreht, nach Schätzen sucht und Stöcke sammelt. Alles Dinge, die in den wärmeren Monaten wunderbar funktionieren. Im Winter jedoch, wenn man trotz dicker Kleidung möglichst in Bewegung bleiben sollte, ist das eher ungünstig. Wir waren frustriert, weil es nicht vorwärtsging. Sie war frustriert, weil wir sie ständig „weiterhetzten“.



Auf dem Gipfel des Hochsteins
Auf dem Gipfel versorgt euch die Hochsteinbaude mit einem Angebot an Speisen und Getränken. Im Winter ist sie von Mittwoch bis Sonntag geöffnet. Wir waren schon oft dort, entschieden uns dieses Mal aber dafür, nur draußen den Schokoladen-Weihnachtsmann als kleine Stärkung zu vernaschen. Bei Oma und Opa wartete später ein leckeres Mittagessen auf uns.
Der Aussichtsturm war wegen des eisigen Wetters geschlossen, damit niemand auf den glatten Stufen ausrutscht. Bei guter Sicht hat man von oben einen wunderbaren Ausblick über die weiten Landschaften der Oberlausitz. Ich bin stattdessen auf den kleinen Aussichtsfelsen geklettert, den Carl Adolph Gottlob von Schachmann im Jahr 1753 mit Stufen und Geländer versehen ließ. Das habe ich allerdings lieber ohne Kinder gemacht. Schnee auf Granit ergibt eine ausgesprochen rutschige Kombination. Die beiden waren ohnehin beschäftigt und rutschten begeistert ihren „Rutschstein“ hinunter.
Ich glaube das war der Moment, in dem die Stimmung zum Positiven kippte. Der Schneefall wurde immer dichter und bedeckte mit einer dicken Schicht den Boden. Die Kinder machten Schneeengel, warfen Schneebälle und vergaßen bei der ganzen Aufregung fast ihre Handschuhe in den Königshainer Bergen. Außerdem ging es ab diesem Punkt nur noch bergab. Das ist für müde Kinderfüße deutlich angenehmer, als nach oben zu stiefeln.





Abenteuerrunde über die Steinbrüche
Nachdem wir ein Stück die Straße hinuntergelaufen waren, erreichten wir die Schranke, an der wir vorbei zu unserem nächsten Ziel wollten. Wir folgten dem kleinen Weg zum Firstensteinbruch und staunten darüber, dass er der einzige zugefrorene Steinbruch auf unserer Route war. Bruch I direkt daneben hatte nicht einmal eine kleine Eisschicht. Mindestens genauso spannend war es, auf dem Eis herumzuschlittern oder die Schneeschicht beiseitezuschieben, um die gefrorenen Luftblasen unter der Oberfläche zu betrachten.
Ein Stück weiter, dort, wo es technisch besonders interessant wird, befindet sich ein erhöhter Aussichtspunkt. Von hier aus lässt sich die ganze Pracht des Steinbruchs überblicken. Direkt daneben stehen noch die Geräte und Fahrzeuge, mit denen die Bergleute früher gearbeitet haben. Alles darf völlig kostenlos beklettert, angefasst und erkundet werden. Das gesamte Areal fühlt sich wie ein riesiger „Lost Place“ an, der unglaublich viele Geschichten zu erzählen hat. Vieles ist so gut erhalten, dass man sich mühelos in die Zeit zurückversetzen kann, als in den Königshainer Bergen noch Granit in Schwerstarbeit gebrochen wurde.
Wir beschränkten uns dieses Mal auf die Besichtigung vom Firstensteinbruch und Bruch I. Das Schneetreiben wurde immer dichter und auch die Zeit bis zum Mittagessen knapper. Also machten wir uns auf den Rückweg. Dabei kamen wir auch am alten Bahnhof von Königshain vorbei, von dem aus früher die Granitsteine abtransportiert wurden. Wer mehr Zeit mitbringt, sollte nicht über den Bremsberg am Granitabbaumuseum vorbei nach unten gehen, sondern genau in die entgegengesetzte Richtung dem „Granitpfad“ folgen. Dort könnt ihr weitere alte Gebäude und Steinbrüche entdecken. Bei einem gehen sogar noch Schienen bis ins Wasser.






Warum die Königshainer Berge ein Paradies für Kinder sind – und auch für alle anderen
Es gibt hier einfach unglaublich viel zu entdecken und das zu jeder Jahreszeit. Klar, bei warmem Wetter kann man viel länger die alten Häuser untersuchen und unbeschwerter auf den Felsen am Gipfel herumklettern. Doch im Winter, wenn der Wald nicht voller grüner Blätter ist, lassen sich ein paar historische Schätze finden, die sonst verborgen bleiben.
Wenn ihr wissen wollt, wie die Königshainer Berge aussehen, wenn der Wald nicht kahl und die Wege nicht schneebedeckt sind, schaut gern bei Familie Weitgereist vorbei. In ihrem Artikel über die schönsten Tagesausflüge in der Oberlausitz gibt es auch wundervolle Bilder vom Hochstein, die Anfang Oktober entstanden sind.
Der Hochstein selbst ist keine große Erhebung. Über seine genaue Höhe ist sich das Internet tatsächlich nicht ganz einig. Manche Quellen sprechen von 406 Metern, andere von 397,2 Metern und das Bundesamt für Naturschutz nennt noch einmal eine andere Zahl. Nun ja, da ich keine Geodätin bin, will ich mich dazu gar nicht weiter äußern. Entscheidend ist dabei ohnehin, dass die Wege weder besonders steil, noch sehr lang sind. Zumindest theoretisch perfekt für kleine Kinderfüße. In der Praxis kann sich so ein Hügel für ein Kind aber auch schnell wie der Mount Everest anfühlen. Unsere kleine Runde war am Ende übrigens etwa 4 Kilometer lang. Wenn ihr zusätzlich die anderen Steinbrüche besucht, kommen noch rund 1,5 Kilometer dazu.

Am Gipfel befindet sich die Hochsteinbaude, bei der man sich im Winter aufwärmen oder im Sommer draußen ein kühles Getränk genießen kann. Direkt daneben steht der wackelige Aussichtsturm, den ich trotz Höhenangst widerwillig jedes Mal besteige, um einen Blick in die Landschaft zu wagen. Bei dessen Höhe ist sich das Internet widerum einig: 22 Meter geht es noch einmal nach oben. Der Turm stand bis in die 1960er Jahre auf dem Flugplatz von Görlitz und diente als Übungsanlage für Fallschirmsprünge. Zusätzlich gibt es am Gipfel Felsen, die sich mit Kindern vorsichtig auch ohne Kletterausrüstung erkunden lassen. Abenteuerstimmung inklusive.
Eine kleine Anmerkung noch zum Thema Baden in den Steinbrüchen: Offiziell ist es verboten, da niemand die Verantwortung übernehmen kann, sollte etwas passieren. Vor allem das Klippenspringen ist extrem gefährlich, da sich in den Steinbrüchen nicht nur Steine, sondern auch noch Überreste von Maschinen und Stahlrohren befinden. Praktisch werdet ihr bei einer Wanderung in den Sommermonaten aber auf viele Menschen stoßen, die sich in den Steinbrüchen abkühlen und eine Runde schwimmen. Das sind in der Regel Ortsansässige, die aus Erfahrung genau wissen, an welchen Stellen sie sicher in das Wasser hineinkommen.
Fazit: Nicht perfekt, aber voller kleiner Abenteuer
Unsere Winterwanderung in den Königshainer Bergen war bei Weitem nicht perfekt. Sie war kalt, stellenweise sehr anstrengend und vor allem am Anfang geprägt von mangelnder Motivation. Wir haben die komplette Runde nicht geschafft, weil das Schneetreiben am Ende immer dichter wurde. Aber auch das gehört zu Familienausflügen dazu, denn manchmal läuft es absolut nicht so, wie erwartet. Und das ist in Ordnung, auch wenn eiskalte Füße der absolute Endgegner für mich sind.
Unabhängig von unseren Erfahrungen im Dezember können wir euch einen Besuch der Königshainer Berge nur empfehlen. Mindestens einmal im Jahr schauen wir hier vorbei und lassen uns vor den kleinen Abenteuern direkt vor der (ehemaligen) Haustür verzaubern. Sollten wir noch einmal den Winter für eine Wanderung auf den Hochstein wählen, werden wir die Runde definitiv andersherum gehen. Also erst vorbei an der spannenden alten Technik zum Granitabbau und erst zum Schluss auf den Gipfel. Vielleicht bringt uns diese Richtung beim nächsten Mal von Anfang an mehr Motivation.

Unsere Tipps für Familien
- Ist es euer erster Besuch in den Königshainer Bergen? Dann kommt lieber, wenn es etwas wärmer ist. Dann könnt ihr ganz entspannt alles entdecken ohne kalte Füße zu bekommen.
- Teile des Weges sind auch für den Kinderwagen geeignet. Dazu zählen die Straße zum Gipfel und auch der Weg über den Firstensteinbruch zum Granitabbaumuseum. Solltet ihr aber etwas abseits des Hauptweges unterwegs sein wollen, empfehlen wir euch eine Trage mitzunehmen.
- Versorgt werdet ihr bestens in der Hochsteinbaude. Aber auch ein Picknick auf einem Felsen mit Blick auf einen riesigen Steinbruch sorgt für Abwechslung.
- Ihr könnt von alter Technik und Geschichte nicht genug bekommen? Dann schaut auf jeden Fall im Granitabbaumuseum vorbei – zwischen April und Oktober ist es immer donnerstags und freitags geöffnet, sowie am Wochenende auf Anfrage.
- Das Wichtigste: Plant genug Zeit ein. Gerade beim Erkunden der Steinbrüche und dem Bestaunen historischer Überreste vergeht die Zeit oft schneller als gedacht.
Und was könnt ihr nach der Familienwanderung durch die Königshainer Berge noch unternehmen? Wir empfehlen auf jeden Fall einen kleinen Abstecher zur Feinbäckerei Melzer am Fuße des Hochsteins. Dort gibt es selbstgebackenen Kuchen und noch allerhand andere Leckereien. Danach lohnen sich Ausflüge zum Barockschloss Königshain, nach Görlitz oder zum Berzdorfer See.
Zum Abschluss noch eine spannende Randnotiz: Die Steine aus den Königshainer Bergen waren exzellentes Baumaterial. Sie wurden als solches nicht nur für den Bau des Görlitzer Neißeviadukts verwendet, sondern auch für den neuen Leuchtturm am Kap Arkona auf Rügen.
Sehr gute Infos. Spannende Gegend . Unser nächstes Reiseziel sind die Königsheiner Berge .
Sehr gut. Ich wünsche ganz viel Spaß!
Liebe Lisa,
auch wenn die Wanderung nicht perfekt gelaufen ist, so bleibt sie doch genau deshalb im Gedächtnis. So was mag ich immer am liebsten, auch wenn es in diesem Augenblick, wo das unerwartete passiert, oft nicht toll ist.
Ich war selbst noch nie in den Königshainer Bergen, aber die Mischung aus alten Steinbrüchen, Aussichtspunkten und kleinen Abenteuern könnte mich definitiv begeistern. Dass es dort so viel zu entdecken gibt, macht die Region für mich umso interessanter, aber ich bin dann da doch lieber bei wärmeren Temperaturen unterwegs. Mir hat schon das Schneeabenteuer letzte Woche gereicht und da war ich „nur“ zu Hause.
Liebe Grüße
Mo
Liebe Mo,
ich glaube auch, dass uns dieser Silvestervormittag noch lange in Erinnerungen bleiben wird. Vielleicht als Geschichte, die wir in ein paar Jahren wieder herausholen. Nach dem Motto „Weißt du noch damals“. 😉
Das liebe ich tatsächlich auch an unseren Familienausflügen. Langweilig ist es nie.
Viele Grüße, Lisa
Hallo Lisa,
ich befürchte, ich wäre als Kind genauso unmotiviert gewesen! Nicht wegen des Ziels, nur wegen der Kälte und ja auch wegen der vielen Klamotten, in die man im Winter immer reinschlüpfen muss! Auch heutzutage bin ich (noch) eine echte Frostbeule, „muss“ aber dank meines Hundes mehrmals am Tag ins Wintergewand schlüpfen, um mit der Kleinen nach draußen zu gehen!
Trotzdem finde ich, dass die Königshainer Berge ein sehr interessantes Ausflugsziel sind! Lass erstmal den Frühling in voller Blüte stehen, dann ist so eine Wanderung bestimmt noch ein viel größerer Spaß für die Kleinen!
Liebe Grüße
Jana
Hallo Jana,
dann ist es ja gut, dass Elfie dich bei den kalten Temperaturen nach draußen zieht. 🙂
An den vielen Sachen lag es bei meiner Tochter nicht – erst gestern ist sie freudestrahlend im Elbsandsteingebirge auf den Berg gerannt. Ich tippe da eher auf „Weihnachtsmüdigkeit“. Aber da kann ich sie auch verstehen – Ferien mit jeden Tag anderen Verwandtschaftsbesuchen können schon anstrengend sein.
Liebe Grüße, Lisa
Liebe Lisa,
Als Kind fand ich wandern auch nicht so cool, daher kann ich da mitfühlen 😉 Aber erstens habt ihr so was zu erzählen, zweitens hattet ihr ja trotz allem einen spannenden Tag mit Abenteuern und drittens kommt die Liebe zum Wandern vielleicht noch 😀 Heute mag ich es auch, und Winterwandern im Schnee hat etwas besonderes.
Liebe Grüße von Miriam
Hallo Miriam.
Danke für deinen Kommentar. Ob die Liebe zum Winterwandern noch kommt, wird sich zeigen. Ich bleibe optimistisch 🙂
Liebe Grüße, Lisa