Ziel unseres letzten Kurzurlaubs war die Stadt Oberwiesenthal im Erzgebirge. Wusstet ihr, dass sie mit 914 Metern die höchstgelegenste Stadt in Deutschland ist? Ich selbst war als ganz kleines Kind schon einmal dort, kann mich aber leider nicht mehr so gut daran erinnern. Außerdem liegt Oberwiesenthal zu Füßen von Sachsens höchstem Berg – dem Fichtelberg. Damit hatten wir drei sehr gute Argumente dafür, Oberwiesenthal als Familie endlich einmal einen Besuch abzustatten.
Bereits auf dem Weg dorthin kam bei uns echte Urlaubsstimmung auf. Wenn man an so kleinen Örtchen wie Warmbad oder Wolkenstein vorbeikommt, stimmt man sich schon ganz automatisch auf eine kurze Auszeit im Erzgebirge ein. Oberwiesenthal hat uns dann mit einer Mischung aus Natur, Technik, Geschichte und ganz viel Familienfreundlichkeit willkommen geheißen – und genau davon möchte ich euch jetzt in diesem Artikel erzählen.
Anreise nach Oberwiesenthal – Abenteuer Fichtelbergbahn
Natürlich könnt ihr mit dem Auto nach Oberwiesenthal anreisen. Eine schöne Übersicht über alle verfügbaren Parkplätze findet ihr hier. Wir waren dagegen – wie fast immer – mit dem Zug unterwegs. Oberwiesenthal selbst hat keine eigene Anbindung an das Schienennetz der Deutschen Bahn. Entweder ihr steigt für das letzte Stück in den Bus um, oder ihr macht euch den Weg zum Ziel und genießt eine Fahrt mit der Fichtelbergbahn.
Die historische Dampfeisenbahn schnauft seit über 120 Jahren zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal hin und her. Aktuell fährt sie viermal täglich in jede Richtung, an Sonderverkehrstagen sogar häufiger. Die etwa 17km lange Strecke überwindet 238 Höhenmeter und führt über insgesamt 9 Stationen. Und wir können euch sagen: Es lohnt sich! Vor allem natürlich für Dampflok-Fans, aber auch für alle anderen, die der Eisenbahnromantik nicht gänzlich abgeneigt sind.
Auf dem Weg nach Oberwiesenthal sind wir in der Dunkelheit gefahren. Meine Bedenken, ob sich das überhaupt lohnt (weil man ja nichts sieht), waren schon nach wenigen Metern verflogen. Denn wir haben trotz – oder gerade wegen – der Dunkelheit sehr viel gesehen: Festlich geschmückte Häuser mit Schwibbögen und Sternen in nahezu jedem Fenster und auf den Waldstücken einen beeindruckenden Sternenhimmel über uns.
Die Fahrt verging wie im Flug. Auch dank der Rätsel-Flyer, die in jedem Waggon für die Kinder bereitlagen. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass Rausgucken und Rätseln schon vor dem Fahrtende zu langweilig werden, gibt es einen separaten Spielewaggon. Hunde, Fahrräder und auch Kinderwägen können problemlos mitgenommen werden. Wickelmöglichkeiten findet ihr jeweils an den Endstationen in Cranzahl und Oberwiesenthal. Für die Gesamtstrecke haben wir im Jahr 2025 als Familie 21,40€ bezahlt.
Nach der Fahrt hatte ich mir bereits überlegt, diese Strecke noch einmal bei Tageslicht zurückzulegen, um etwas mehr von der wundervollen Landschaft des Erzgebirges erleben zu können. Tatsächlich ergab sich diese Gelegenheit ungeplant bei der Rückfahrt, als unser Bus nicht wie vorgesehen fuhr und wir spontan in die fast abfahrende Dampflok gestiegen sind. Und was soll ich sagen? Die Strecke ist auch bei Tag ein absoluter Traum, wobei mir tatsächlich die Fahrt in der Dunkelheit noch etwas besser gefallen hatte.
Panorama-Hotel Oberwiesenthal – familienfreundlich mit Aussicht
Einquartiert hatte ich uns für die beiden Nächte im Panorama-Hotel Oberwiesenthal. Das liegt etwa 1,5km vom Bahnhof entfernt und ermöglichte uns nach der Ankunft eine kleine „Nachtwanderung“ vor dem Abendessen. Das Hotel macht seinem Namen alle Ehre, denn es liegt etwas oberhalb der Stadt.
Wir hatten Vollpension gebucht und konnten direkt nach dem Einchecken noch das Abendessen genießen. Sowohl das Essen als auch das Zimmer waren gut. Ich würde sagen mehr als gut, mein Mann würde sagen, das Hotel hatte einen renovierungsbedürftigen 90er Jahre Charme. Dagegen macht das Foyer, das ihr auf dem Bild sehen könnt, einen sehr modernen Eindruck. Ein paar Kleinigkeiten – wie eine nicht funktionierende Lüftung im Bad oder etwas eigenwillige Steckdosen – fielen während des Aufenthaltes nach und nach auf, waren aber für uns kein Ausschlusskriterium.
Denn das Hotel punktet vor allem mit seinen familienfreundlichen Angeboten. Allen voran der Innenpool und das Spielezimmer, aber es gab auch eine Sauna, eine Salzgrotte und ein „Spielezimmer für Größere“ mit Darts, Billiard und verschiedenen Brettspielen. Alles inklusive und wir mussten am Ende beim Auschecken lediglich die Kurtaxe bezahlen. Deshalb werden wir das Panorama-Hotel Oberwiesenthal bei unserem nächsten Besuch auf jeden Fall wieder in Betracht ziehen.
Mein ganz persönliches Highlight war allerdings die Lage des Hotels. Beim ersten Frühstück wurden wir von einem atemberaubenden Sonnenaufgang überrascht, der direkt durch die zahlreichen Fenster des Essenraumes direkt auf unsere Teller schien. Am zweiten Morgen bin ich den Rodelberg hinter dem Hotel ein kleines Stück nach oben gelaufen und hatte dort einen perfekten Aussichtspunkt über Oberwiesenthal. Ein absoluter Vorteil der dunklen Jahreszeit: Wenn die Sonne erst gegen 8 Uhr richtig aufgeht, kann man die Dämmerung ganz entspannt erleben, ohne zeitig aufstehen zu müssen.
Mit der Schwebebahn auf den Fichtelberg
Den einen kompletten Tag, den wir in Oberwiesenthal verbringen konnten, wollte ich unbedingt für einen Ausflug auf den Fichtelberg nutzen. Wobei das in unserem Falle hieß, die Fichtelbergschwebebahn die ganze Arbeit machen zu lassen. Dafür haben wir dann ganz entspannt die Aussicht genossen – eigentlich ein guter Deal, oder?
Es handelt sich übrigens um die älteste Schwebebahn Deutschlands, denn sie wurde im Dezember 1924 eingeweiht und ist Stand 2025 stolze 101 Jahre alt. Täglich zwischen 9 und 17 Uhr fährt sie im Viertelstundentakt nach oben. Für unsere Kinder, die noch nie in ihrem Leben Schwebebahn gefahren sind, war es ein absolutes Highlight. Mein Sohn durfte sogar beim Start der Bahn die Knöpfe drücken und anschließend klebten beide für die gesamten 3,5 Minuten Fahrtzeit mit ihren Nasen an der Scheibe.
Hier findet ihr alle Informationen zur Schwebebahn inklusive Fahrtpreisen – es gibt gute Angebote für Familien und Kinder bezahlen erst ab 7 Jahren.
Auf dem Gipfel stürzten sich die Kinder direkt auf die Holzfiguren zwischen der Bergstation und dem Fichtelberghaus. In letzterem könnt ihr übernachten, ein Essen genießen und für ein paar Euro den Aussichtsturm über eine Treppe besteigen. Darauf haben wir bei unserem Besuch verzichtet, weil wir auch so den Ausblick über das Erzgebirge schon atemberaubend genug fanden. In die eine Richtung reicht die Sicht bis zum Keilberg nach Tschechien und auf der anderen Seite könnt ihr Annaberg-Buchholz in der Ferne erkennen.
Wer nicht mit der Schwebebahn hochfahren und auch nicht laufen möchte, kann alternativ auf den Stadtbus A zurückgreifen, der ebenfalls direkt auf dem Fichtelbergplateau hält. Eine Fahrt vom Bahnhof bis nach oben dauert circa 15 Minuten.
| Fichtelberghaus – Hotel, Restaurant und Aussichtsturm |
Abenteuerlicher Abstieg über die historische Rennrodelbahn
Da kein Schnee lag, entschieden wir uns für den Abstieg zu Fuß. Hinter dem Fichtelberghaus gingen wir ein Stück entlang der Rodelbahn bergab und gelangten so zur historischen Bobbahn – einer ehemaligen Rennschlittenbahn aus DDR-Zeiten. Seit der Wende wird sie Stück für Stück von der Natur zurückerobert. Damit versteckt sich auf dem Fichtelberg ein richtiger Lost Place, der dazu noch ganz legal betreten werden kann.
Die Bahn wurde Anfang 1970 mit einer Länge von circa 1100 Metern und 18 Kurven fertiggestellt. Nachdem zwei Jahre später eine Kunsteisbahn in Oberhof mit wesentlich besseren Wetterverhältnissen zur Verfügung stand, wurde die Bahn auf dem Fichtelberg nur noch für Trainingszwecke und Nachwuchsrennen genutzt. Teile der Strecke existieren heute nicht mehr, beispielsweise wurden die ersten beiden Kurven für den Bau des Lifts „Himmelsleiter“ abgerissen.
Die verbliebenen Betonteile sind mal mehr mal weniger gut erhalten, teils moosbewachsen, teils eingerissen. In den großen Kurven finden sich zahlreiche Graffitis, die dem Ort einen ganz eigenen Charakter verleihen. Das Abenteuerlichste waren aber für uns die zahlreichen Kontroll- und Versorgungsgebäude entlang der Strecke. Einige können vorsichtig betreten werden und beinhalten zum Teil noch Öfen, Waschbecken oder kleine Möbel. Besonders eindrucksvoll ist das große Gebäude fast am Ende der Bahn, dass aus mehreren Zimmern besteht. Fast lässt es einen Glauben, dass es erst vor wenigen Jahren verlassen worden wäre.
Fazit: Oberwiesenthal – perfekt für einen Familienurlaub im Erzgebirge
Oberwiesenthal ist eine Stadt im Erzgebirge, die mit beeindruckenden Rekorden aufwarten kann: die höchstgelegenste Stadt Deutschlands, der Fichtelberg als höchster Berg in Sachsen oder die älteste Schwebebahn des Landes. Wir möchten zu dieser Aufzählung gern noch einen weiteren Punkt hinzufügen: familienfreundliche Stadt. Wir hätten hier locker eine ganze Woche verbringen können, ohne uns zu langweilen. Die Mischung aus Natur, Technik, Geschichte und kindgerechten Angeboten hat uns absolut überzeugt.
Sonntag früh sind wir nach Annaberg-Buchholz aufgebrochen. Eigentlich sollte dieser Tagesausflug mit Bergwerksbesichtigung einen eigenen Blogbeitrag bekommen, leider waren bei unserer Ankunft im Erzgebirgsmuseum alle Tickets ausverkauft. Besonders ärgerlich: Tickets können nur telefonisch reserviert werden und im Internet wird nicht darauf hingewiesen, dass das nötig sein könnte.
Auch wenn wir das Erzgebirge an dem Tag mit gemischten Gefühlen verlassen haben, bleiben uns doch die Abenteuer in Oberwiesenthal in schöner Erinnerung. Denn Fakt ist: Wir kommen definitiv wieder. Am liebsten mehrmals zu verschiedenen Jahreszeiten. Genau das ist für mich immer das schönste Fazit – wenn wir abreisen mit dem Gefühl noch längst nicht alles gesehen zu haben und eigentlich schon die nächste Reise im Kopf planen.
Wenn ihr noch mehr Inspiration für einen Familienurlaub im Erzgebirge sucht: Wir waren bereits ein Wochenende in Altenberg unterwegs und haben dort ganz andere, aber ebenso schöne Erlebnisse gesammelt. Kleiner Spoiler: Auch das Osterzgebirge lockt mit einer Dampflok.
Welche Jahreszeit mögt ihr für Urlaube in den Bergen am liebsten? Erzählt es mir gern in den Kommentaren.
📍Für alle, die’s genau wissen wollen
Unsere Unterkunft
familienfreundliches Hotel mit toller Aussicht
👉 Panorama Hotel Oberwiesenthal
Webseite: www.panoramahotel-oberwiesenthal.de
Warum wir es mögen: ruhige Lage, Innenpool, leckeres Essen
Anreise & Verkehr
- mit Zug, Bus und Auto erreichbar
- für Dampflok-Fans: Anreise mit der historischen Fichtelbergbahn, Webseite: www.fichtelbergbahn.de
Unternehmungen für Familien
- Seilbahnfahrt auf den Fichtelberg mit anschließender Talwanderung, Webseite: www.fichtelberg-ski.de/schwebebahn
- Museum für Wintersport – Wiesenthaler K3, Webseite: www.oberwiesenthal.de/wiesenthaler-k3.cfm
- Sommerrodelbahn Oberwiesenthal, Webseite: www.sommerrodelbahn-oberwiesenthal.de
- Fichtelchens Kinderland – Sommertubingbahn / Kinderskigelände, Webseite: Fichtelchens Kinderland
- Traumweide Alpakazucht und Hofladen, Webseite: www.traumweide.com/
- Meeresaquarium am Fichtelberg, Webseite: www.meeresaquarium-am-fichtelberg.de





Das Erzgebirge finde ich im Winter und besonders zur Weihnachtszeit wunderschön. In Oberwiesenthal war ich allerdings noch nie. Der Name erinnert mich an den Lehrer der Hasenkinder aus einer Geschichte von Janosch 😅.
Auf jeden Fall klingt dein Reisebericht richtig gut. So eine Dampfeisenbahnfahrt ist toll. das haben wir in Weißwasser auch schon mal gemacht. Da gab es aber keine Rätsel für Kinder.
Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Liebe Grüße
Mo
Liebe Mo,
Janosch kenne ich wiederum nicht… Dafür haben sich unsere Kinder nie interessiert, deshalb ist das bisher an uns vorbeigegangen. Aber Dampfeisenbahnfahrten sind dafür der absolute Dauerbrenner – da schaue ich gleich mal, was Weißwasser da zu bieten hat.
Ich wünsche dir auch einen tollen Start ins neue Jahr!
Viele GRüße, Lisa
Liebe Lisa,
vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht über Oberwiesenthal – das klingt nach einem richtig gelungenen Familienurlaub!
Besonders spannend finde ich die Kombination aus Dampfeisenbahn, Schwebebahn und dem abenteuerlichen Abstieg über die alte Rennrodelbahn – das ist ja fast schon ein kleines Abenteuer für Groß und Klein. Die Idee mit den Rätsel-Flyern in den Waggons ist auch super durchdacht, so vergeht die Fahrt wie im Flug.
Das Panorama-Hotel klingt ebenfalls toll, vor allem mit Innenpool, Sauna und der wunderschönen Aussicht. Den Sonnenaufgang beim Frühstück stelle ich mir richtig traumhaft vor! Und die Familienfreundlichkeit der Stadt scheint wirklich außergewöhnlich zu sein – da merkt man, dass Oberwiesenthal perfekt für einen Urlaub mit Kindern ist.
Danke auch für die Tipps zur Anreise und den Ausflügen – die Infos sind wirklich hilfreich für alle, die selbst mal dorthin reisen möchten. Ich finde es klasse, dass ihr schon plant, wiederzukommen, und bin gespannt, welche Jahreszeit ihr beim nächsten Mal ausprobiert.
Liebe Grüße,
Saskia Katharina
Liebe Saskia,
vielen lieben Dank für deinen wundervollen Kommentar. Wir können Oberwiesenthal für alle kleinen und großen Reisenden einfach nur empfehlen. Es ist so vielseitig und landschaftlich wunderschön. Erst heute wurde die Skisaison eröffnet – ich denke irgendwann im Winter mit viel Schnee zum Rodeln wird wohl unser nächster Besuch sein.
Viele Grüße, Lisa
Ich war noch nie im Erzgebirge oder in der Nähe von Oberwiesenthal, aber den Ortsnamen kennt man ja vom Wintersport, den meine Oma immer gern geschaut hat! Das Hotel klingt super! Ich lieb’s ja, in der Sauna zu schwitzen und im Spielzimmer für Größere hätte ich bestimmt auch mal vorbeigeschaut! Alles in allem, scheint Ihr dort ja eine tolle Zeit gehabt zu haben! Ich bin schon gespannt, wo es Euch im neuen Jahr hinziehen wird!
Liebe Grüße
Jana
Liebe Jana,
ja Oberwiesenthal ist auch ein Wintersportgebiet – wenn auch nur noch auf regionaler (maximal nationaler) Ebene. Erst heute konnte die Skisaison endlich eröffnen, da es vorher einfach zu warm war und selbst die Schneekanonen nicht arbeiten konnten.
Wir hatten eine wundervolle Zeit. Für das neue Jahr sind bis jetzt Mallorca, Berlin und Island geplant. Mal schauen, was da noch dazu kommt.
Viele Grüße, Lisa