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Amsterdam mit Kindern – Ich war schon mal da. Ohne euch. Sorry.

Amsterdam mit Kindern - Orte, die ich mit meiner Familie anschauen möchte: Grachten im Sonnenuntergang

An meine Kinder:

Fünf Tage Amsterdam – und ich war allein. Dienstlich, das sei zur Vollständigkeit erwähnt. Aber das interessiert euch natürlich herzlich wenig. Was euch interessiert ist vor allem, dass ich ohne euch eine der schönsten Städte Europas erkundet habe. Die vielen Stunden Arbeit dazwischen blendet ihr gekonnt aus. Ich verstehe das. Wirklich.

Weil ich nun schon mal dort war, habe ich die Gelegenheit genutzt und geschaut, was die Stadt für euch zu bieten hätte. Sozusagen als Voraberkundung für uns alle. Denn dass Amsterdam mit Kindern noch mal eine ganz andere Stadt sein wird, davon bin ich überzeugt. Und ich habe euch vermisst. Nicht die ganze Zeit, das wäre gelogen. Aber immer wieder, an ganz bestimmten Orten. Wenn ich vor etwas stand und dachte Das wäre was für meine Kinder.

Deshalb ist dieser Artikel für euch. Eine Liste der Orte, die ich ohne euch entdeckt habe und bei denen ich mir fest vorgenommen habe, euch irgendwann mitzunehmen. Vielleicht lest ihr das irgendwann selbst. Vielleicht plane ich daraus unseren nächsten Familienurlaub. Wahrscheinlich beides.


Amsterdam mit Kindern – Was euch dort erwartet

Grachtenrundfahrt – Amsterdam vom Wasser aus

Abends, wenn die Stadt langsam zur Ruhe kommt und die Lichter sich in den Grachten spiegeln, ist Amsterdam vom Wasser aus schlicht atemberaubend. Ich war auf einer Abendfahrt und hatte einen dieser (zugegeben) seltenen Momente, bei denen ich vor lauter Staunen nicht einmal das Bedürfnis hatte, nach meinem Fotoapparat zu greifen.

Ihr kennt das Gefühl von der Bootsfahrt auf der Seine in Paris – wie man die Stadt auf einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel wahrnimmt und die kurze Pause vom Laufen genießt. Amsterdam vom Wasser ist ähnlich. Nur mit mehr Fahrrädern auf den Brücken und weniger Eiffelturm.

Eine Grachtenrundfahrt ist für uns gesetzt. Entweder tagsüber oder abends. Das können wir dann spontan entscheiden, aber beides hat seinen Reiz. Ich tippe darauf, dass ihr die Abendfahrt mögen werdet.

Amsterdam mit Kindern - Orte, die ich mit meiner Familie anschauen möchte: Grachtenrundfahrt


Südlicher Grachtengürtel – Wo Amsterdam am schönsten ist

Der südliche Grachtengürtel ist für mich das Amsterdam, das ich genießen kann. Statt Touristenmassen und unzähligen Fahrradfahrenden gab es nur alte Giebelhäuser, Brücken über ruhige Kanäle, und Boote die im Wasser schaukeln. Ich konnte hier stundenlang laufen, ohne das Gefühl zu haben, irgendetwas zu verpassen.

Besonders gemerkt habe ich mir die Reguliersgracht. Von einer einzigen Brücke aus sieht man dort sieben parallele Brücken gleichzeitig – eine hinter der anderen, wie ein Spiegelbild ins Unendliche. Das müsst ihr mit eigenen Augen sehen!

Und dann ist da noch die Magere Brug – die Dünne Brücke – über die Amstel. Eine der bekanntesten Brücken der Stadt und eine mit einer Geschichte, die ich euch erzählen möchte. Es heißt, dass zwei Schwestern, die auf gegenüberliegenden Seiten der Amstel lebten, diese Brücke bauen ließen, um sich leichter besuchen zu können. Eine schöne Vorstellung, oder? Und wer sich unter der Brücke küsst, soll für immer zusammenbleiben. Das ist natürlich eher etwas für Mama und Papa, aber die Legende allein ist es wert, dort vorbeizuschauen. Vor allem im Dunkeln, wenn die Brücke im Licht erstrahlt.

Amsterdam mit Kindern - Orte, die ich mit meiner Familie anschauen möchte: südlicher Grachtengürtel

Amsterdam mit Kindern - Orte, die ich mit meiner Familie anschauen möchte: südlicher Grachtengürtel Magere Brug
Magere Brug bei Dunkelheit

Bloemenmarkt – Der schwimmende Blumenmarkt

Der einzige schwimmende Blumenmarkt der Welt. Die Stände stehen auf Booten, die Farben leuchten auch an grauen Märztagen und der Geruch zieht einen schon von Weitem an.

Ich habe dort Tulpenzwiebeln mitgenommen und ihr habt sie zu Hause auf dem Balkon eingepflanzt. Ich finde es schön, dass ein kleines Stück Amsterdam bei uns geblieben ist, auch wenn ihr selbst noch nicht dort wart. Beim nächsten Mal sucht ihr euch selbst aus, was mit nach Hause kommt. Ich bin mir sicher, ihr werdet mehr Mitbringsel finden, als unser Rucksack Platz hat.


Begijnhof – Mitten in der Stadt und trotzdem still

Das hier ist einer meiner Lieblingsmomente in Amsterdam.

Man geht durch eine unscheinbare Holztür, lässt das Gewusel der Innenstadt hinter sich und dann: Stille. Einfach so. Mitten in Amsterdam, umgeben von alten Häusern rund um einen grünen Innenhof, als hätte jemand die Pausetaste gedrückt. Der Begijnhof ist eine der ältesten erhaltenen Hofanlagen der Stadt und war früher ein Wohnort für fromme Frauen, die sogenannten Beginen. Zwei Kirchen stehen noch heute in dem Hof – eine katholische Kapelle, die sich die Beginen im Verborgenen eingerichtet hatten und eine englische Kirche, die schon seit dem 15. Jahrhundert dort steht.

Ich stand dort und brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass ich noch mitten in der Innenstadt war. Für euch wäre das vielleicht ein ruhiger Moment zwischen zwei Abenteuern. Für mich war es einer der schönsten Orte der ganzen Reise.

Der Eintritt ist kostenlos. Verhaltet euch ruhig und bleibt auf den ausgeschriebenen Wegen. Die Anwohner werden es euch danken.

Amsterdam mit Kindern - Orte, die ich mit meiner Familie anschauen möchte: Begijnhof


Rijksmuseum – Nicht nur für Kunstfans

Ich war nicht drin. Das hole ich mit euch nach!

Aber auch von außen lohnt sich der Besuch. Das Museumsgebäude ist beeindruckend und die kleinen Gärten davor können kostenlos betreten werden. Durch den Tunnel unter dem Museum sausen pausenlos Fahrräder. Das allein wäre schon ein absolutes Erlebnis für euch. Daneben gibt es einen Spielplatz und der weitläufige Museumsplein bietet jede Menge Platz zum Toben.

Was drinnen wartet, davon habe ich mir natürlich trotzdem ein Bild gemacht. Rembrandts Nachtwache, eines der bekanntesten Gemälde der Welt. Es ist fast fünf Meter breit und voller Details, die man entdecken kann. Ich glaube, das würde euch beeindrucken. Und wenn nicht das Bild, dann zumindest die Größe des Saales.


OBA – Amsterdams Stadtbibliothek mit Aussicht

Die Openbare Bibliotheek Amsterdam ist von innen und außen einen Blick wert. Das Gebäude ist lichtdurchflutet, modern und irgendwie einladend. Ich weiß genau, dass ihr das mögen werdet. Denn ihr geht ja sehr gern in Bibliotheken. Nicht nur ausschließlich wegen der Bücher, sondern auch zum Spielen und für diese entspannte Atmosphäre, die allen Bibliotheken der Welt zu Eigen sein scheint.

Die OBA ist so ein Ort, nur mit einem Bonus: Ganz oben gibt es eine kostenlose Dachterrasse mit einem wunderschönen Blick über die Stadt. Ich war dort an einem Abend, als Amsterdam unter mir langsam die Lichter anmachte. Das ist ein Ort, den wir uns merken – erst für ein bisschen Bücherfeeling, dann für die Aussicht.

Amsterdam mit Kindern - Orte, die ich mit meiner Familie anschauen möchte: OBA Bibliothek Dresden


Die kostenlosen Fähren übers IJ und der ADAM LookOut Tower

Eine der schönsten kostenlosen Aktivitäten in Amsterdam: einfach die Fähre nehmen. Vom Hauptbahnhof fahren mehrere Fähren über das IJ nach Amsterdam-Noord. Kostenlos für alle, auch für Fahrräder. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten, aber der Blick auf die Skyline von Amsterdam vom Wasser aus ist jedes Mal neu.

Die Fähren fahren in verschiedene Richtungen. Eine bringt euch direkt ins lebhafte Amsterdam-Noord, eine andere zu einem alten Werftgelände, das ich leider nicht mehr geschafft habe anzuschauen. Aber das soll richtig schön sein. Das holen wir nach.

Direkt auf der anderen Seite des IJ steht übrigens der ADAM LookOut Tower. Von ganz oben hat man eine der besten Aussichten über Amsterdam und wer möchte, kann sich in die höchsten Schaukeln Europas setzen. Die ragen über die Kante des Turms hinaus und biete einen freien Blick über die Stadt und das Wasser. Ich war nur von außen dort. Aber ich weiß genau, dass ihr da rauf wollt. Also: Fähre nehmen, Tower rauf, Schaukeln. Also ihr… mich bekommen da keine zehn Pferde auf diese schwingenden Dinger!


NEMO Science Museum – Für alle, die viele Fragen haben

Das NEMO ist schon von außen unverkennbar, denn das Gebäude sieht aus wie ein riesiges Schiff, das halb aus dem Wasser ragt. Es liegt direkt am Hafen und ist kaum zu übersehen. Dahinter steckt ein interaktives Wissenschaftsmuseum, in dem man Experimente selbst ausprobieren, Phänomene begreifen und unendlich viele Fragen stellen kann. Klingt nach euch, oder?

Ich war nicht drin, aber es wurde mir von so vielen Seiten empfohlen, dass es auf unsere Liste gehört. Was ich selbst gesehen habe: das Dach. Das ist kostenlos zugänglich und bietet einen tollen Blick über den Hafen und die Stadt. Also selbst wenn wir keine Zeit für das Museum haben sollten, schauen wir uns das Dach schauen auf jeden Fall an.

Amsterdam mit Kindern - Orte, die ich mit meiner Familie anschauen möchte: Nemo Science Museum


Wanderung bei den Middelpoldern – Stille mit Flugzeugbegleitung

Das hier war mein persönlichster Moment der ganzen Reise.

Früh morgens, direkt zum Sonnenaufgang ging es für mich los. Das ist Anfang März zum Glück erst nach der normalen Aufstehzeit. Am Tag vorher hatte es die ganze Zeit geregnet, aber an diesem Morgen schien mir die Sonne ins Gesicht. Fast niemand war unterwegs und vor mir breitete sich eine typisch niederländische Polderlandschaft aus. Dazu eine Stille, die nur ab und zu von einem landenden Flugzeug unterbrochen wurde, weil der Flughafen Schiphol nicht weit ist.

Kurz zur Erklärung, was Polder überhaupt sind: Das sind künstlich entwässerte Flächen, die unterhalb des Meeresspiegels liegen. Die Niederlande haben dem Meer über Jahrhunderte Land abgetrotzt und die Middelpolderen sind ein schönes Beispiel dafür. Weite Wiesenflächen, Gräben, Bauernhöfe und seltene Wiesenvögel, die hier brüten. Genau deshalb darf das Gebiet zwischen dem 15. März und dem 15. Juni nicht betreten werden. Dann haben die Vögel Vorrang.

Ich weiß, dass ihr vielleicht lieber schlafen würdet als früh aufzustehen für einen Spaziergang durch eine flache Landschaft. Aber ich nehme euch trotzdem mit. Versprochen. Und dann entscheidet ihr selbst. Vielleicht kann ich euch mit etwas Besonderem locken: einem kleinen Floß, das ihr mit einem Seil selbst über einen der Wassergräben ziehen könnt. Erinnert mich bitte daran, Wechselsachen einzupacken. Vor allem eine von euch beiden hat das Talent ins Wasser zu fallen.

Die Middelpolderen liegen zwischen Amstelveen und Amsterdam und sind ein Naturschutzgebiet – kostenlos zugänglich und gut zu erreichen.


Amstelpark – Eine Entdeckungsreise im Grünen

Der Amstelpark hat mich überrascht. Ich hatte einen netten Stadtpark erwartet und stattdessen einen Ort gefunden, an dem wir uns bestimmt einen halben Tag hätten aufhalten können.

Es gibt Minigolf, eine Parkeisenbahn und eine echte holländische Windmühle – die Riekermolen, eine Poldermühle aus dem 17. Jahrhundert, die sich tatsächlich noch dreht. Das allein wäre schon Grund genug für einen Besuch. Aber dann gibt es da noch die kleinen thematischen Gärten, die über den ganzen Park verteilt sind: ein Stück japanischer Garten, ein belgischer Garten, ein Bereich mit griechischen Säulen. Jedes kleine Stück fühlt sich anders an, als wäre man kurz in ein anderes Land gesprungen.

Und dann sind da die Waldwege. Kleine, fast unscheinbare Pfade, die man leicht übersieht, wenn man nur geradeaus läuft. Hier hätten wir viel Spaß beim Entdecken gehabt.

Ich wette, ihr wollt als erstes zur Parkeisenbahn. Und dann streiten wir darüber, welcher Garten der schönste ist.


Fazit: Amsterdam wartet auf euch

Ich bin froh, dass ich Amsterdam allein entdecken konnte. Nicht weil es ohne euch schöner war, sondern weil ich jetzt weiß, wohin ich euch führen möchte. Welche Gassen, welche Brücken und welche stillen Ecken ich euch unbedingt zeigen möchte.

Amsterdam ist eine Stadt, die bei mir keine Liebe auf den ersten Blick ausgelöst hat. Man kann durch sie hindurchhuschen und nur Touristenmassen sehen. Oder man kann langsamer werden und merken, dass hinter jeder Ecke noch etwas wartet, dass sich lohnt, entdeckt zu werden. Ein versteckter Innenhof, eine Brücke mit einer Geschichte, oder ein Park, der so viel mehr ist als ein nur ein Park.

Ein Ausflug steht übrigens schon fest: Zandvoort aan Zee. In gerade Mal dreißig Minuten sind wir von Asterdam an der Nordsee. Da seid ihr sofort dabei, oder? Ich war im März mit Nebel und Wind dort. Im Sommer dürfte das mit Sonnenschein und Badehose noch mal eine ganz andere Geschichte werden. Strand geht bei uns immer! Hier habe ich aufgeschrieben, was mich trotz des schlechten Wetters begeistert hat.

Ich habe meinen Teil erledigt. Die Voraberkundung ist abgeschlossen. Jetzt seid ihr dran!

2 Gedanken zu „Amsterdam mit Kindern – Ich war schon mal da. Ohne euch. Sorry.“

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